Werklehre
Autor: Philipp Gerlach
Eine Werklehre bezeichnet die systematische Unterweisung in den Fragen und rituellen sowie symbolischen Inhalten eines spezifischen Grades.
Allgemeines
In der Freimaurerei sind Werklehren üblicherweise gradspezifisch aufgebaut. Es existieren also spezifische Werklehren für Lehrlinge, Gesellen und Meister sowie die jeweiligen Vertiefungsgrade. Jede Werklehre setzt dabei entsprechende Schwerpunkte. Eine Werklehre für Lehrlinge behandelt beispielsweise die rituellen Aspekte des 1. Grades, also dessen Werkzeuge, Symbole, Fragen und Erkennungszeichen. Da es sich bei der Freimaurerei um eine Initiationsgemeinschaft handelt, fallen die Inhalte der Werklehre in aller Regel unter die Arkandisziplin.
Formen der Werklehre
Prinzipiell lassen sich zwei Formen von Werklehren unterscheiden:
- Im engeren Sinne: Werklehre als Katechismen
- Im weiteren Sinne: Werklehre als Unterricht
Katechismen
Katechismen sind Werklehren in Dialogform, die (als ein Frage- und Antwortspiel), Teil des [[Ritual]|rituellen Ablaufs]] einer Tempelarbeit sind. Oft werden sie den Adepten zur Vertiefung zusätzlich in Textform ausgehändigt. Sie deuten dem Adepten einige rituelle und philosophische Aspekte seines Grades. Der Lehrling lernt so beispielsweise, die Symboliken seiner Aufnahme zu verstehen. Ein Beispiel ist die Deutung der drei großen Lichter aus der Verräterschrift Three Distinct Knocks (1760):
MvSt.: Nachdem Ihr das Licht bekamt, was sahet Ihr zuerst?
Antwort.: Die Bibel, das Winkelmaß und den Zirkel.
MvSt.: Was sagte man Euch, dass sie bedeuten?
Antwort: Die drei Großen Lichter in der Maurerei.
MvSt.: Erklärt dies näher, mein Bruder.
Antwort: Die Bibel, um unseren Glauben zu ordnen und zu regieren. Das Winkelmaß, um unsere Handlungen auszurichten. Der Zirkel soll uns in unseren Grenzen halten gegenüber allen Menschen, besonders aber gegenüber einem Bruder.
Historisch, insbesondere im 18. Jahrhundert, wurden Werklehren auch als 'Fragstück' bzw. 'Lehrfragstück' bezeichnet.[1]. Der älteste, bekannte freimaurerische Katechismus findet sich im Edinburgh Register House Manuscript (1696). Es folgt eine (evtl. unvollständige) Auflistung historischer Katechismen (die bereits veröffentlicht sind und daher von der Arkandisziplin ausgenommen sind):
- Edinburgh Register House Manuscript (1696)
- Sloane Manuscript (~1700)
- Lehrlingfragstück nach Prichard (1737)
- Der verrathene Orden der Freymäurer (1745)
- Der Entdeckte Maurer (1751)
- Three Distinct Knocks (1760)
- Der Signatstern (1763)
- Lehrlings-Katechismus der Adonhiramschen Frey-Mäurerey (1800)
- Lehrfragstück über Masonei und Masonenbund (1811)
Einige Lehrarten unterscheiden zwischen kurzen und langen Katechismen. Kurze Katechismen können Bestandteil einer gewöhnlichen Tempelarbeit sein.[2] Da lange Katechismen viel Zeit in Anspruch nehmen, werden sie meist anstelle einer Zeichnung vorgetragen.[3]
Unterricht
Im weiteren Sinne werden jegliche Unterweisungen als Werklehre bezeichnet. Diese beinhalten meist den (oft langen) Katechismus selbst und ergänzen diesen mit weiterführenden Erläuterungen. Grundsätzlich wird dabei unterschieden in:
- Verbale Unterweisungen, meist in Form von Unterricht- bzw. Instruktion(-slogen) bezeichnet wird.
- Schriftliche Ausarbeitungen, wie Lehrbücher oder Instruktionshefte, wie beispielsweise:
- Imhof, G. (1983): Kleine Werklehre der Freimaurerei. I. Das Buch des Lehrlings. Alpina.
- Stührenberg, K. (2021): Die Arbeit am rauen Stein: Ein Arbeitsbuch für Freimaurer im Lehrlingsgrad. tredition.
Siehe auch
Referenzen
- ↑ Vgl. z.B. das Lehrlingfragstück nach Prichard oder das Lehrfragstück über Masonei und Masonenbund
- ↑ so z.B. in: AFuAM (2011): Lehrlings-Ritual der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Bauhütten-Verlag.
- ↑ so z.B. in: FzaS (1914): Das feierliche Gebrauchtum des I. Grades.
