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Jugoslawien (1918 bis 1991)

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Inhaltsverzeichnis

Jugoslawien (1918 bis 1991)

Dies ist ein Überblick auf die Entwicklung der Freimaurerei in einem Staat, der im zwanzigsten Jahrhundert mit einer fünfjährigen Unterbrechung von 1918 bis 1991/92 existierte und sich dann etappenweise in sieben Nachfolgestaaten auflöste. Das freimaurerische Fazit gleich zu Beginn: Vor der Gründung Jugoslawiens waren die Verhältnisse in dieser Region sehr verschieden. Und in Jugoslawien waren Logengründungen dann in den ersten zwei Jahrzehnten möglich und danach bis fast zum Ende des Staates verboten. Von Rudi Rabe.

Jugoslawien und seine sieben Nachfolgestaaten. Die Jahreszahlen markieren das jeweilige Datum der Abspaltung vom immer kleiner werden Rest-Jugoslawien.
Jugoslawien gibt es nicht mehr. Wohl aber ein gewisses nostalgisches Gemeinschaftsgefühl, wenn sich etwa führende Freimaurer aus den Nachfolgestaaten irgendwo zufällig treffen - so wie hier in Berlin Ende Oktober 2018 beim Internationalen Großlogentag der 'Vereinigten Großlogen von Deutschland'. Ein gemeinsames Foto ist da immer möglich.

Zum besseren Verständnis: Ein komplizierter Staat

Die Geschichte Jugoslawiens ist gekennzeichnet von folgenden Merkmalen: Kurzlebigkeit, Diskontinuität, Heterogenität.

  1. Jugoslawien war ein ethnisch und kulturell sehr inhomogener Staat:
    Verschiedene religiöse Traditionen (Katholizismus, Orthodoxes Christentum, Islam; in der sozialistischen Phase auch staatlich geförderter Atheismus); verschiedene Sprachen (einige Slawische und mehrere Minderheitensprachen wie Albanisch, Ungarisch und bis 1945 auch Deutsch); und eine sehr unterschiedliche politische Vorgeschichte (der Norden hatte bis 1918 über Jahrhunderte zum Habsburger-Imperium und damit zu Europa gehört, der Süden zum orientalisch verfassten osmanischen Reich).
  2. In den sieben Jahrzehnten seiner Existenz erlebte Jugoslawien zwei völlig verschiedene Phasen:
    Nach dem Ersten Weltkrieg formierte sich unter der Führung Serbiens das Königreich Jugoslawien. Außer Serbien gehörten dazu: Teile aus der Erbmasse des Habsburger-Staats (Slowenien, Kroatien, die Vojvodina [= das heutige Nordserbien]) und des osmanischen Reiches. Diese erste Phase dauerte von 1918 bis 1941. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Königreich aufgelöst und in das faschistische Ustascha-Kroatien sowie in eine deutschen und eine italienische Besatzungszone aufgeteilt. Diese Unterbrechung dauerte von 1941 bis 1945. Nach dem Krieg bildete sich Jugoslawien neu: jetzt nicht mehr als Königreich sondern als Sozialistische Jugoslawische Republik. Diese war lange stabil: bis 1991. Ab diesem Jahr löste sie sich durch mehrere innere Kriege nach und nach in sieben souveräne Republiken auf (Stand 2015).

Die Freimaurerei vor 1918: Diskontinuität und Heterogenität

Die Beschreibung lässt erkennen, dass es vor der Staatsbildung Jugoslawiens in diesem Gebiet eine halbwegs einheitliche Freimaurerei nicht gab und auch gar nicht geben konnte.

Die Region im 18. Jahrhundert: Zwar entstanden nun da und dort Logen, meistens waren diese Gründungen aber das Werk von Ausländern. Die Logen kamen und gingen, sie entwickelten kein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Der Süden im 19. Jahrhundert: Es ging so weiter wie im Jahrhundert davor. Ab 1878 änderte sich die Lage. Serbien wurde nun vom Osmanischen Reich unabhängig und die Freimaurerei entwickelte sich schnell. Die Logen blieben jedoch unter dem Einfluss ausländischer Großlogen.

Der Norden im 19. Jahrhundert: 1795 verboten die Habsburger die Freimaurerei, es gab nun keine Logen mehr. Das änderte sich für Kroatien und die Vojvodina ab der Einrichtung der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie 1867. Diese beiden Gebiete gehörten zum ungarischen Teil, hier war die Freimaurerei jetzt erlaubt. Slowenien gehörte zur österreichischen Reichshälfte: Das Verbot blieb bis 1918.

Ab 1918: Eine jugoslawische Freimaurerei entsteht

In dem ab 1918 folgenden jugoslawischen Königreich war die Freimaurerei erlaubt, und sie florierte jetzt auch. Doch nach zwei Jahrzehnten war es schon wieder vorbei: Nach dem Einmarsch Hitler-Deutschlands und Mussolini-Italiens wurden 1941 alle Logen verboten. Und das sozialistische Jugoslawien setzte das Verbot wie im Kommunismus üblich fort.

Wenn jetzt die Beschreibung über die Freimaurerei in jugoslawischen Staat ins Detail geht, übernehme ich das Stichwort ‚Jugoslawien’ aus dem ‚Internationalen Freimaurer-Lexikon’ von 1932. Außerdem verweise ich auf separate Seiten für die Nachfolgestaaten (siehe unten).

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Oktober 1918 und der Gründung des Königreichs Jugoslawien lösten sich die kroatischen Logen von der ‚Symbolischen Großloge von Ungarn’. Am 10. Jänner 1919 bildeten sie die ‚Velika Matica Loza Ljubav BIiznijemu" (Große Mutterloge ‚Zur Nächstenliebe’). Die Loge "Ljubav Bliznijega", die dieserart den Rahmen der neuen Großbehörde bildete, hörte infolgedessen als Loge zu bestehen auf. An ihrer Stelle wurde eine neue Bauhütte "Graf Ivan Draskovic" gegründet. Bald erfolgte der Zusammenschluss der gesamten jugoslawischen Maurerei.

Der mittlerweile in Belgrad wieder aktivierte ‚Suprême Conseil’ gründete am 9. Juni 1919 in Gemeinschaft mit der ‚Großen Mutterloge’ in Zagreb die Großloge der Serben, Kroaten und Slowenen ‚Jugoslavija’ mit Sitz in Belgrad.

Erster Großmeister wurde der Gouverneur der Nationalbank, Georg Weifert, Zugeordnete wurden Adolf Mihalic, Zagreb, und Sveta Stojkovic, Belgrad. Unter dem Schutze der neuen Großloge bildeten sich eine ganze Reihe neuer Logen. Die Bauhütten der durch den Friedensvertrag jugoslawisch gewordenen Teile der Backa und des Banats (Subotiva, Sombor, Novisad) nahmen ihre Tätigkeit wieder auf.

Anfang 1931 zählte die Großloge 24 Logen und zwei Kränzchen; 1926 veranstaltete sie unter Patronanz der A.M.I. in Belgrad einen als Friedensdemonstration gedachten Internationalen Freimaurerkongress.

Durch freimaurerische Initiative wurde eine Anzahl von Organisationen geschaffen, die schöne Werke ad extra zu betreiben haben. Dazu gehörten in Belgrad: Asyl und Erziehungsanstalt für Waisenkinder, Erziehungsanstalt für Kinder aus Südserbien ‚St. Sava Gesellschaft’; Erziehungsanstalt für gehörlose Kinder "Kralj Decanski’; Unterstutzungsfonds für Kriegsinvalide und Kinder von solchen ‚St. Georg’; Brotverteilung an Arbeitslose ‚Nasusni Bleb’; Verein zur Bekämpfung der Bettelei; Anti-Tuberkulose-Liga; in Zemun: Blindenasyl und Erziehungsanstalt.

Hier endet das Internationale Freimaurer-Lexikon 1932. Aber auch die jugoslawische Freimaurerei hatte nur noch neun Jahre bis sie für ein halbes Jahrhundert ausgelöscht wurde. 1940 eroberten Mussolini-Italien und Hitler-Deutschland das Königreich: 27 Logen mit 2.500 Mitgliedern mussten schließen.

Jugoslawien ab 1945: Die Kommunisten übernehmen das faschistische Verbot

Ob sozialistisch oder faschistisch: Totalitäre Staaten sind fast immer freimaurerfeindlich. Und so setzte das Sozialistisch-Kommunistische Jugoslawien nach der Wiedererrichtung des Staats das faschistische Verbot fort.

Erst 1990 wurden mit Hilfe der ‚Vereinigten Großloge von Deutschland’ allererste Schritte zur Neugründung eingeleitet. Doch schon kurze Zeit danach begannen die jugoslawischen Auflösungskriege, das Land zerfiel und mit ihm die einheitlich organisierte jugoslawische Freimaurerei. Nicht nur die staatliche, auch die masonische Hoheit ging nun auf die nach und nach entstehenden sieben Nachfolgerepubliken über.

Siehe auch

Die Nachfolgestaaten:

Und die Nachbarn:


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