Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei

Aus Freimaurer-Wiki

In der Symbolsprache der Freimaurerei stehen die drei kleinen Lichter für die Ordnung der Loge.

Abgrenzung

Die drei kleinen Lichter sind Teil der Lichter-Symbolik in der Freimaurerei. Sie werden von den drei großen Lichtern unterschieden (Bibel, Winkelmaß und Zirkel),[1] die die ethischen Grundlagen der Freimaurerei repräsentieren.

Symbolik

Es gibt mindestens zwei Zuordnungen der drei kleinen Lichter:

Beide Lesarten schließen sich nicht wechselseitig aus und werden im Folgenden separat erläutert.

Die Sonne, der Mond und der Meister

Die Sonne

Die Sonne regiert den Tag. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben. Sie spendet das Licht, das für das Leben und die Arbeit notwendig ist.[2]

Die Mond

Der Mond regiert die Nacht.[2] Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der Symbolik wird der Mond oft als das Reflektierende gesehen, das das Licht der Sonne widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.[2]

Der Meister

So wie die Sonne den Tag und der Mond die Nacht regiert, so regiert der Meister die Loge.[3] Er soll die Brüder erleuchten (ihnen Wissen und Weisheit vermitteln) sowie über die Einhaltung der Ordnung der Loge wachen.[2]

Interpretation von Philipp Gerlach

Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben (Sonne) und Nehmen (Mond) um keine Wertung. Das Passive wird nicht minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, Sonne und Mond, als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden.

Die Auflistung des Meisters an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von Sonne und Mond. Man kann die Nennung des Meisters jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In dem Sinne vermittelt der Meister die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er braucht kein entweder oder, kein entweder Gefühl oder Verstand. Der Meister kennt Maß und Mitte. Er weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so zur harmonischen Lebensführung.

Uneinheitlichkeiten

Die drei kleinen Lichter als Sonne, Mond und flammender Stern auf einem Arbeitsteppich von Holger Ullmann

Nicht in allen Lehrarten wird der Meister vom Stuhl als drittes Licht genannt. In 3WK werden beispielsweise statt seiner Sterne gelistet. Auf einigen Arbeitsteppichen (z.B. nach AFuAM) befinden sich zudem, neben Sonne und Mond auch 3x3 Sterne und/oder der flammende Stern abgebildet.[4]

In einigen Lehrarten werden Sonne, Mond als Bilder, links und rechts vom Meister im Osten angeordnet. [5]

Weisheit, Stärke, Schönheit

Besonders in deutschen Logen ist das Öffnen und Schließen der Loge von einer Reihe symbolischer Gebräuche begleitet. So auch das rituelle Entzünden und später Löschen der drei Kerzen auf den drei Säulen. Dieser Akt wird von Kerzensprüchen begleitet.[6]

Die Lichter werden dabei als explizit als Weisheit, Schönheit und Stärke interpretiert und jeweils einem der hammerführenden Beamten zugewiesen (WeisheitMeister vom Stuhl, Stärke1. Aufseher und Schönheit2. Aufseher.[2].

Die Zuweisung der Säulen zu den Idealen bzw. Tugenden der Weisheit, Stärke, Schönheit wird dadurch unterstreichen, dass die Säulen mitunter ionisch (Weisheit), dorisch Stärke) und korinthisch (Schönheit) ausgeführt sind.

Weisheit, Stärke, Schönheit sind jedoch nur einige unter mehreren Idealen bzw. Tugenden, mit der sich die Freimaurer verbunden fühlen (neben z.B. Brüderlichkeit, Toleranz und tätiger Menschenliebe).

Siehe auch

Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen Lichter daher in eine lange kulturelle Tradition, die in der Freimaurerei besonders ausgeprägt ist.[7] Siehe dazu:

Anmerkungen

  1. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Licht. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 AFuAM (2011): Lehrlings-Ritual der Großloge
der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Bauhütten-Verlag.
  3. Gemeint ist der Meister vom Stuhl, nicht der Meistergrad.
  4. Dennoch nennt der Ritualtext von AFuAM den Meister vom Stuhl als 3. kleines Licht.
  5. Eine Ausnahme bildet das in Deutschland unübliche Ritual I bis III des AASR
  6. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Öffnen und Schließen der Loge. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  7. Im Christentum beispielsweise gibt es 3 Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), 3 Initiations-Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie), 3 Weisen (Caspar, Melchior, Balthasar — vermutlich stellvertretend für die 3 damals bekannten Kontinente: Europa, Asien, Afrika). Jesus ist am 3. Tage auferstanden. Vor allem aber steht die Drei im Christentum für die Dreifaltigkeit. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in ihrer Wesenheit eins, aber in ihren Äußerungen drei. Ihre Unterscheidung und gleichzeitige Einheit der Drei ist ein zentrales Dogma des Christentums in seiner heutigen Auslegung. Auch Rituale und Beschwörungen werden oft 3 mal wiederholt und erst mit der 3. Aussprache gültig. Selbst im Profanen steht die Drei oft für die Vollkommenheit. So sagen wir z.B. „aller guten Dinge sind drei“. Bei den antiken Griechen bildeten die 3 sprachlichen Fächer die klassischen Künste. Es handelt sich um formelle Korrektheit (Grammatik), inhaltliche Korrektheit (Dialektik) und Verständlichkeit (Rhetorik). Die Geometrie unterscheidet 3 räumlichen Dimensionen (Höhe, Länge, Breite). Gemeinsam bilden sie den euklidischen Raum.