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Großloge Zur Sonne

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Inhaltsverzeichnis

Großloge Zur Sonne

Die Großloge Zur Sonne war eine von acht von der Londoner Großloge anerkannten deutschen Freimaurer-Großlogen vor dem Zweiten Weltkrieg und gehörte zu den humanitären (also religiös neutralen) Freimaurer-Großlogen.

Sie wurde 1829 in Bayreuth gegründet und hat ihren Ursprung in der Großen Mutterloge (1741) und in der Großen Provinzialloge Zur Sonne (1810), die beides ihre Vorgängerinnen waren. Um einem Verbot durch die nationalsozialistischen Machthaber zuvorzukommen, löste sie sich 1933 auf und wurde nach dem Krieg 1945/1948 als Großloge Zur Sonne für Bayern wiedergegründet. 1949 ging sie in der Vereinigten Großloge von Deutschland (heute Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland) auf.


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Die Großloge "Zur Sonne" in Bayreuth wurde 1741 durch Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth als Schloßloge gegründet.

  • 1744 erklärte sich die Schloßloge zur Mutterloge und begann ab 1757 mit Gründungen von Tochterlogen zu Ansbach und Erlangen.
  • 1764 ging sie zur "Strikten Observanz" über, mit der Folge, daß die Bruderschaft, die mit dem Übergang nicht einverstanden war, ihre Arbeit von 1765 bis 1779 einstellte.
  • 1791 erfolgte der Anschluß an die Berliner Großloge "Zur Freundschaft",
  • 1810 verließ sie diese Großloge und ernannte sich selbst zu einer solchen.
  • 1811, als Bayreuth an Bayern fiel, wurde sie die "Große Provinzloge "Zur Sonne"".
  • 1902 gründete sie einen "Engbund" (darunter ist zu verstehen eine wissenschaftliche Vereinigungen von Freimaurern, die bereits den Meistergrad besitzen).
  • 1932 bestand sie aus 45 Logen mit 4000 Brüdern. Sie wandelte sich dann in die "Gesellschaft zur Pflege deutscher Kultur" um, die im 3. Reich aufgelöst wurde.

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Geschichte

Geschichte bei Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Große Mutterloge: 1741–1810

Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth, der Stifter der beiden Bayreuther Schloss- und Stadtlogen und Großmeister derselben von 1741 bis 1763 Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth stiftete am 21. Januar 1741 eine in französischer Sprache arbeitende Schlossloge (Matrikel-Nummer 6) in Bayreuth und erhob sie sogleich zur Großen Mutterloge.Im gleichen Jahr, am 4. Dezember 1741, wurde ebenfalls in Bayreuth eine in deutscher Sprache arbeitende Tochterloge gegründet und Stadtloge genannt. Beide Logen bekamen vom Markgrafen den Beinamen Zur Sonne.

1751 wurde von in Bayreuth lebenden Franzosen eine Loge eingerichtet, die aber von der Schlossloge nicht anerkannt und 1752 als Winkelloge erklärt wurde. Ein von dieser französischen Loge 1753 eingereichtes Ersuchen auf ein Constitutionspatent beim Markgrafen wurde abgelehnt, die daraufhin angestrebte Vereinigung mit der Stadtloge scheiterte aufgrund zu großer innerer Unterschiede und Verschiedenheiten.

Ebenfalls von 1751 bis 1753 bestand in Bayreuth wahrscheinlich auch eine Mopsloge oder eine androgyne Loge, welcher die Markgräfin Wilhelmine als Grossmeisterin vorstand.

Durch einen Schlossbrand 1753 verlor die Schlossloge ihr Logenlokal. Je nach Quellenlage arbeiteten danach beide Logen eng zusammen, wobei Markgraf Friedrich jährlich 60 Reichsthaler als Miete für die Nutzung des Logenlokals an die Stadtloge zahlte und die Schlossloge nach dem Tod des Markgrafen Friedrich 1763 in der Stadtloge aufging („mit Übertragung aller Rechte“), oder fusionierten beide Logen bereits zum Johannisfest 1753 miteinander, wobei der Meister vom Stuhl der Stadtloge weiterhin der Meister vom Stuhl der vereinigten Loge und Markgraf Friedrich weiterhin der Großmeister der Großen Mutterloge blieben.Die so oder so resultierende Loge nahm den Namen Freimaurerloge Zur Sonne in Bayreuth an.

Am 24. September 1757 wurde die Tochterloge Libanon zu den drei Cedern (Matrikel-Nummer 34) in Erlangen und am 8. Mai 1758 die Tochterloge Alexander zu den drei Sternen (Matrikel-Nummer 35) in Ansbach gegründet.

1764/1765 gingen die drei Logen in Bayreuth, Erlangen und Ansbach, die bisher im einfachen altenglischen System gearbeitet hatten, zum System der Strikten Observanz über. Dies belebte kurzfristig die Logenarbeit, führte aber letztendlich zu einem Ruhen bzw. Zerfall der Logen für mehrere Jahre mit offizieller Wiederaufnahme der Arbeiten in der zweiten Hälfte der 1770er Jahre.

Nachdem die Bayreuther Markgrafenlinie 1769 erlosch, ging das Fürstentum Bayreuth an die Ansbacher Linie der fränkischen Hohenzollern über. Der Ansbacher Markgraf Markgraf Carl Alexander von Brandenburg-Ansbach-Bayreuth verlegte auch die Oberaufsicht über die Logen nach Ansbach.

Ende 1776 schloss Carl Alexander einen Subsidien-Vertrag mit dem britischen Königshaus für sechs Jahre und stellte zwei Regimenter (eines aus Ansbachern, eines aus Bayreuthern) zur Unterstützung der britischen Armee in den Amerikanischen Befreiungskriegen. Viele Offiziere der beiden fränkischen Regimenter waren Freimaurer und gründeten 1781 eine Feldloge (die Feldloge 215 beim 2. Regiment), die von der Großloge in London patentiert wurde.

Aufgrund des Verkaufs der Markgrafschaften Ansbach-Bayreuth an Preußen 1791 kamen auch Bayreuth und seine Logen unter „Berliner Aufsicht“. Mit dem Königlich-preußischen Edikt vom 20. Oktober 1798 zur Verhütung und Bestrafung geheimer Verbindungen mussten sich alle Logen innerhalb des Preußischen Herrschaftsgebiets einer der drei anerkannten Berliner Mutterlogen unterordnen. Die Loge Zur Sonne in Bayreuth schloss sich am 4. Juli 1800 dem System der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ an. Dabei übernahm sie auch das Feßlersche System.

Die beiden anderen Logen, Libanon zu den drei Cedern in Erlangen und Alexander zu den drei Sternen in Ansbach, entschieden sich für die Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“.

1806 wurde die ehemalige Markgrafschaft Bayreuth von französischen Truppen besetzt und 1807 im Frieden von Tilsit an das französische Kaiserreich angegliedert, die bestehenden Verbindungen nach Berlin dadurch unterbrochen. Da abzusehen war, dass Franken nicht mehr nach Preußen zurückkehren würde, wurden seitens der Loge Zur Sonne in Bayreuth vertrauliche Absprachen mit der Loge zum Morgenstern (gegründet 1799, Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“) und der Loge zur goldenen Waage (gegründet 1804, Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland genannt „Freimaurerorden“), beide in Hof, und der Loge zur Wahrheit und Freundschaft (gegründet 1803, Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“) in Fürth unternommen, die Großloge Zur Sonne wieder zu reaktivieren.

Am 4. Dezember 1807 wurde dann auch der Loge Zur Sonne seitens der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ ein Konstitutionspatent als Große Provinzialloge ausgestellt, für den Fall, dass sich die fränkischen Logen von Berlin trennen müssten.

Dies geschah 1810, als das Fürstentum Bayreuth mit Erlangen und Hof an das Königreich Bayern fiel und am 30. Juni desselben Jahres von diesem in Besitz genommen wurde (das Fürstentum Ansbach und Fürth gingen bereits 1806 in Bayern auf).

Als Konsequenz lockerte die Loge Zur Sonne in Bayreuth mit Schreiben vom 20. Juli 1810 ihre Bindung zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“.


Große Provinzialloge Zur Sonne: 1810–1829

Die Loge Zur Sonne in Bayreuth konstituierte sich am 27. September 1810 als Große Provinzialloge Zur Sonne unter Berufung auf das erteilte Patent durch die Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ und übersendete am 27. November 1810 den Logen in Hof und in Fürth den Entwurf einer Vereinigungsakte. Diese wurde in einer Konferenz am 24. Januar 1811 von allen vier Logen angenommen, die Vereinigung der vier Logen unter dem Dach einer gemeinsamen Großloge geschah zur gegenseitigen Garantie ihrer Rechte. Als Ritual behielt die neue Großloge das Feßlersche System bei. Da die neugegründete Großloge den Namen der Bayreuther Loge übernahm, benötigte diese nun einen neuen Namen. Die Bayreuther Brüder entschieden sich für Eleusis zur Verschwiegenheit.

Am 13. September 1814 erschien eine königliche Verordnung, die allen Staatsdienern die Mitgliedschaft in geheimen Gesellschaften verbot. Dadurch verloren die Logen fast die Hälfte ihrer Mitglieder, die Loge zur goldenen Waage in Hof musste wegen zu geringer Mitgliederzahl ihre Arbeit sogar einstellen, die übrig gebliebenen Brüder schlossen sich am 15. Juni 1815 der Loge zum Morgenstern an.

Die ehemalige „Bayreuther Tochterloge“ Libanon zu den drei Cedern in Erlangen wollte weiter in ihrem gewohnten sogenannten rektifizierten System arbeiten und trat in die Große Provinzialloge Anacharsis zum erhabenen Zweck in Ansbach ein,, in der auch schon die andere ehemalige „Bayreuther Tochterloge“ Alexander zu den drei Sternen war. Diese Große Provinzial Mutterloge der königl. bair. Provinzen in Franken „Anacharsis zum erhabenen Zweck“ hatte ihr Konstitutionspatent 1807 von der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ erhalten.


Großloge Zur Sonne: 1829–1933

Die Große Provinzialloge Zur Sonne änderte am 29. September 1829 ihren Status, d. h., sie beendete in gegenseitigem Einvernehmen das förmliche Abhängigkeitsverhältnis zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ und nahm wieder ihre alten Rechte unter dem Namen Großloge Zur Sonne an, anerkannt von den deutschen Großen Logen als ebenbürtige Schwester. Zu dieser Zeit gehörten ihr die vier aktiven Johannislogen Eleusis zur Verschwiegenheit (Bayreuth), Zum Morgenstern (Hof), Zur Wahrheit und Freundschaft (Fürth) und Zur Freimüthigkeit am Rhein (Frankenthal) an.

Am 31. August 1847 nahm eine Konferenz der Großen Loge den Antrag der Mannheimer Loge Carl zur Eintracht an, die Aufnahme von Nichtchristen (= Juden) zu gestatten; der Antrag, das Wahlrecht auf alle Brüder auszudehnen, also auch Nichtchristen in den Beamtenräten zuzulassen, wurde allerdings abgelehnt.[9] Einige Jahre später (1857?) erfolgte die Bestätigung der Aufnahmefähigkeit von Schwarzen und die Anerkennung ihrer Logen.

Die Bayreuther Loge Eleusis zur Verschwiegenheit stellte in der Konferenz der Großen Loge vom 28. Dezember 1862 den Antrag, die Rituale und Gesetze der Großloge zu überarbeiten. Dieser Antrag wurde angenommen, die nun anstehende Revision dem Bruder Johann Caspar Bluntschli aus Heidelberg übertragen. Am 11. Oktober 1868 wurden diese neue Verfassung und die überarbeiteten Rituale von der Großlogen-Konferenz angenommen.

Mit dieser neuen Verfassung galt die Großloge Zur Sonne dann als eine der liberalsten Großlogen in Deutschland.

1893 errichtete die Großloge Zur Sonne für ihre norwegischen Tochterlogen die Provinzial-Großloge Polarstjernen und erteilte dieser am 8. Mai 1920 das Konstitutionspatent zur selbständigen Großloge Den Norske Storloge Polarstjernen mit Sitz in Trondheim/Norwegen.

Auf dem Großlogentag in Konstanz im Mai 1902 wurde die Anregung des Meisters vom Stuhl der Bayreuther Loge, dem Buchhändler Georg Niehrenheim, aufgenommen und genehmigt, im Bayreuther Logenhaus das Bayreuther Großlogenmuseum, das heutige Deutsche Freimaurer-Museum zu gründen; die dort aus älterer Zeit stammenden und gesammelten 168 freimaurerischen Gebrauchsgegenstände/Masonica dienten dabei als Grundstock. Durch einen regen Austausch von Geschenken mit allen deutschen Logen bzw. Bitten um Gaben für das Museum zählte die Sammlung im Jahre 1903 bereits 650 Exponate.


1912 übernahm der Bayreuther Arzt Bernhard Beyer die Leitung des Museums und baute es bis 1930 zum drittgrößten seiner Art in der Welt aus. In diesem Zusammenhang initiierte er in Bayreuth auch die Freimaurerbibliothek und 1921 den Geschichtlichen Engbund zur historischen Erforschung der Freimaurerei des Freimaurermuseums der Großloge Zur Sonne, der als Vorläufer der 1951 gegründeten deutschen freimaurerischen Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati gilt (es gibt auch eine englische Quatuor Coronati Lodge of Masonic Research).


Im Ersten Weltkrieg fanden sich fränkische Freimaurer in Lüttich/Belgien zusammen und gründeten 1915 die Feldloge Zum Eisernen Kreuz unter Aufsicht der Großloge Zur Sonne. Im Juni 1916 zählte sie 58 Mitglieder, die aus Logen ALLER deutschen Großlogen kamen. Diese Feldloge erlosch dann zum Ende des Ersten Weltkrieges wieder, im Oktober 1918.

1932 nahm die Großloge Zur Sonne zusammen mit der Großen Loge von Hamburg (Hamburg) und der Großen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes (Frankfurt/Main) erstmals wieder den Verkehr mit der englischen Großloge (also mit der Großloge des Feindes aus dem Ersten Weltkrieg) auf. Daraufhin brachen die drei preußischen Großlogen jeden Kontakt mit der Großloge Zur Sonne ab.


„Dunkle“ Zeit: 1933–1945/1948

Ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre kam es immer wieder zu Anfeindungen der Freimaurerei in der Gesellschaft, z. B durch die Deutsche Adelsgesellschaft, durch die Deutschen Burschenschaften oder durch sogenannte Völkische Gruppierungen. Einer der Hauptagitatoren war der ehemalige General Erich Ludendorff, der 1927 die Hetzschrift Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse herausbrachte und 1928 in zahlreichen Angriffsschriften zum Vernichtungsfeldzug gegen die Freimaurer aufrief (dies war kein rein deutsches Phänomen, 1924 kam es in Italien zu Übergriffen auf Freimaurer durch Faschisten und 1925 nach der Blutnacht in Florenz zum Verbot der Freimaurerei in Italien).

Aufgrund des immer größer werdenden Drucks und um einem Verbot der Freimaurerei durch die nationalsozialistischen Machthaber zuvorzukommen, löste sich die Großloge Zur Sonne am 30. April 1933 selbst auf bzw. benannte sich in Deutsche Gesellschaft für Kultur und Wissen um, die aber auch nur kurzen Bestand hatte.

Des Weiteren empfahl die Großloge Zur Sonne ihren Tochterlogen, die Lichter zu löschen und die Pforten zu schließen.

Die drei altpreußischen Großlogen mussten sich z. B. aufgrund einer Erklärung des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 28. März 1935 selbst auflösen; bis September 1936 waren alle 11 Großlogen und 33 ähnliche Verbände aufgelöst.


Großloge Zur Sonne für Bayern: 1945/1948–1949

Bereits im September 1945 wurde den amerikanischen Besatzungsbehörden durch Bernhard Beyer ein detaillierter Plan zur Wiederbelebung der deutschen Freimaurerei in Form einer Bayerischen Großloge vorgelegt, die Lizenzierung aber nicht zeitnah gewährt. Das Bayerische Innenministerium genehmigte schließlich am 7. Dezember 1946 die Gründung von Logen, die Richtlinien dazu wurden im April 1947 bekannt gegeben, womit sich dann in Bayern die ab 1945 wiedergeöffneten Logen förmlich lizenzieren konnten. Für die Großloge Zur Sonne dauerte diese amtliche Genehmigung etwas länger, sie wurde (erst) am 21. Januar 1948 als Großloge Zur Sonne für Bayern offiziell reaktiviert.

Bereits im Mai 1948 fand dann der erste Großlogentag nach der Dunklen Zeit statt, im Gebäude der Erlangener Freimaurerloge Libanon zu den drei Cedern, bei dem auch entsendete Vertreter von Großlogen aus den USA, aus Frankreich und aus der Tschechoslowakei anwesend waren.

In dieser neuen Großloge Zur Sonne für Bayern vereinten sich nicht nur die ehemaligen (bayerischen) Sonnen-Logen, sondern auch (bayerische) Logen, die vor 1933 anderen Lehrarten angehörten.

Die Großloge Zur Sonne für Bayern ging am 19. Juni 1949 zusammen mit ihren Mitgliedslogen in der Vereinigten Großloge von Deutschland auf, womit die traditionsreiche Geschichte der Großen Logen Zur Sonne in Bayreuth endete, die Geschichte der Freimaurerlogen und der Freimaurerei in Bayreuth, in Franken, Bayern und Deutschland aber unter einem vereinten Dach weiterging und weitergeht.

Aus der Vereinigten Großloge von Deutschland wurde 1951 die Vereinigte Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, 1958 die Große Landesloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland und 1968 die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland.


Philosophische Ausrichtung/freimaurerische Lehrart

Die Großloge Zur Sonne gehörte zu den sogenannten „humanitären (also religiös neutralen) Großlogen“, zusammen mit den beiden Großlogen Große Loge von Hamburg in Hamburg und Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes in Frankfurt/Main.

(Im Gegensatz dazu stehen die drei „altpreußischen Großlogen“ Große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland genannt „Freimaurerorden“ und Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ und die beiden Großlogen Große Freimaurerloge „Zur Eintracht“ in Darmstadt und Große Landesloge von Sachsen in Dresden; diese fünf Großlogen sind bzw. waren im Christentum verankert.)

„Humanitär“ im Sinne von religiös neutral soll hier aber nicht als antireligiös oder atheistisch missverstanden werden. Auch die sogenannten „humanitären“ Freimaurer der Großloge Zur Sonne waren Gottesverehrer und die heutigen Freimaurer, die diese Tradition weiterführen, sind es immer noch; aber es gibt keine Festlegung auf eine bestimmte Religion oder Konfession, die individuellen Vorstellungen von Gott mögen alle verschieden sein (sei es ein personalisierter Gott oder ein abstraktes, allumfassendes Prinzip), jeder Bruder Freimaurer soll den Glauben leben können und dürfen, der ihm als richtig erscheint und ebenso soll er seinen Bruder in dessen Glauben tolerieren.

Daher kann die Freimaurerei als solche auch keine Religion oder Religionsersatz sein, sie will es auch nicht und sie ist es auch nicht. Freimaurer erkennen in der Welt, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein der Menschen einen Schöpfergeist voll Weisheit, Stärke und Schönheit, ein weltordnendes Prinzip, das jeder Bruder individuell füllen kann.

Ab 1811 bearbeiteten die Mitgliedslogen der Großen Provinzialloge/Großloge Zur Sonne das sogenannte Feßlersche System, das eine leicht geänderte Schrödersche Lehrart darstellt und ursprünglich von Johann Gottlieb Fichte und Ignaz Aurelius Feßler für die Große Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ erstellt worden war.

Ab 1868 wurden die von Johann Caspar Bluntschli überarbeiteten Rituale verwendet, wobei den einzelnen Mitgliedslogen von Seiten der Großloge Ritualfreiheit gewährt wurde.

Das Ritual der Großloge Zur Sonne nach Bluntschli wird heute noch von der Loge Eleusis zur Verschwiegenheit in Bayreuth (Matrikel-Nummer 6) für den ersten und für den dritten Grad bearbeitet. Auch das Ritual der Wanderloge Zur Weissen Lilie (Matrikel-Nummer 871) baut auf diesem Bluntschi-Ritual der Großloge Zur Sonne auf.



Mitgliedslogen

Die Quellen, auf denen die hier angeführte Liste beruht, geben teilweise widersprüchliche Informationen (es ist z. B. nicht immer klar, ob sich die angegebene Jahreszahl auf die Ausfertigung des Konstitutionspatents oder auf die Lichteinbringung im Tempel bezieht). Es wurde im Folgenden versucht, eine konsistente und einheitliche Darstellung wiederzugeben. Die Auflistung der Logen erfolgte nach Gründungsjahr bzw. Jahr der Affiliation.

Die Logengeschichte der einzelnen Logen wird hier nur soweit angegeben, wie ein Bezug zur Großloge Zur Sonne in Bayreuth bestand. Die teilweise „recht bewegte“ Geschichte einzelner Logen mit „erloschen“ und „reaktiviert“ oder häufiger Anschluss an andere Großlogen ist nicht immer (nur) dem Gewissen der Brüder geschuldet, sondern manchmal auch den äußeren politischen Zwängen (z. B. das Freimaurerverbot in Baden von 1813 oder die Verordnung zur Zwangsanschließung aller Freimaurerlogen im preußischen Herrschaftsbereich an eine der drei Berliner Großlogen von 1798).

Große Mutterloge

Große Provinzialloge/Großloge Zur Sonne

  • 1811: Eleusis zur Verschwiegenheit, Bayreuth: 1741 in der Großen Mutterloge gegründet, 1800 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“, 1811 Gründungsloge der Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1811: Zum Morgenstern, Hof: 1799 in der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ gegründet, 1811 Gründungsloge der Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1811: Zur Wahrheit und Freundschaft, Fürth: 1803 in der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ gegründet, 1811 Gründungsloge der Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1811–1815: Zur goldenen Waage, Hof; 1804 in der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland genannt „Freimaurerorden“ gegründet, 1811 Gründungsloge der Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1815 erloschen bzw. Anschluss an die Loge zum Morgenstern
  • 1811–1853: Carl zur Treue, Pappenheim: 1804 in der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ gegründet, 1811 affiliert zur Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1828 Einstellung der Arbeiten, 1853 erloschen
  • 1811–1815: Aristides zur Wahrheit und Gerechtigkeit, Markt Rentweinsdorf/Unterfranken: 1805 in der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ gegründet, 1811 affiliert zur Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1815 erloschen
  • 1817–1818: Zum Tempel der Isis am Morgen, Viernheim: Neugründung, 1818 bereits wieder erloschen
  • 1819: Zur Freimüthigkeit am Rhein, Frankenthal: 1808 im Grand Orient de France (GOdF) gegründet; Affiliationspatent von der Großen Provinzialloge Zur Sonne am 26. Juni 1819, 1933 erloschen
  • 1835: Wilhelm zur aufgehenden Sonne, Stuttgart: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1846: Carl zur Eintracht, Mannheim: 1756 als Schottenloge gegründet, 1813 geschlossen, 1845 reaktiviert und am 23. August 1846 affiliert zur Großloge Zur Sonne, 1933 erloschen
  • 1847–1923: Zur edlen Aussicht, Freiburg/Breisgau; 1784 in der Großloge von Österreich gegründet; 1813 geschlossen, 1847 in der Großloge Zur Sonne reaktiviert, 1923 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“
  • 1847–1925: Leopold zur Treue, Karlsruhe; hervorgegangen aus den beiden seit 1813 ruhenden Logen Carl zur Treue und Carl zur Einigkeit mit förmlicher Einweihung am 15. November 1847, 1925 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“
  • 1849–1878: Carl zum Lindenberg, Frankfurt/Main: Neugründung, 1878 affiliert zur Großen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes
  • 1855: Johannes zum wiedererbauten Tempel, Ludwigsburg: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1856: Ruprecht zu den fünf Rosen, Heidelberg: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1864–1883: Barbarossa zur deutschen Treue, Kaiserslautern: Neugründung, 1883 erloschen
  • 1865: Reuchlin, Pforzheim: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1865: Constantia zur Zuversicht, Konstanz: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1868: Allvater zum freien Gedanken, Lahr: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1868: Brudertreue am Main, Schweinfurt: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1871: Zu den zwei Säulen am Stein, Würzburg: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 als Sammelloge Zu den zwei Säulen an der festen Burg reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1871: Badenia zum Fortschritt, Baden-Baden: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1872: Augusta, Augsburg: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1873: Zur Kette, München: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1873: Erwin, Kehl: Neugründung, 1885 geschlossen, 1923 reaktiviert, 1933 erloschen
  • 1873–1876: Zum treuen Herzen, Strassburg/Elsass-Lothringen: ???? in einer französischen Großloge als St. Jean d’Ecosse gegründet, 1873 mit Namensänderung affiliert zur Großloge Zur Sonne, 1876 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“
  • 1874: Zur Verbrüderung an der Regnitz, Bamberg: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1875: Germania zur deutschen Treue, Erlangen: 1864 als nicht anerkannte Loge gegründet, 1867 geschlossen, 1875 reaktiviert in der Großloge Zur Sonne, 1933 erloschen
  • 1876–1905: Globus, Hamburg: Neugründung, 1905 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“
  • 1877–1887: Offene Burg zur Erkenntnis, Offenburg: Neugründung, 1887 geschlossen
  • 1882–1920: St. Olaf til den gjenreiste Tempel, Trondheim, Norwegen: Neugründung, 1920 affiliert zur norwegischen Großloge Den Norske Storloge Polarstjernen, die von der Großloge Zur Sonne mit Konstitutionspatent vom 8. Mai 1920 als selbständige Großloge eingesetzt wurde
  • 1883: Zur Hansa, Bremen: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1885–1920: Olaf Kyrre til den Kjaede, Christiana (Oslo), Norwegen: Neugründung, 1920 affiliert zur norwegischen Großloge Den Norske Storloge Polarstjernen
  • 1889: Friedrich zur ernsten Arbeit, Jena: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1891–1920: Kolbein til den flammende Stjerne, Lillehammer, Norwegen: Neugründung, 1903 geschlossen, 1915 reaktiviert, 1920 affiliert zur norwegischen Großloge Den Norske Storloge Polarstjernen
  • 1892: Zur ernsten Arbeit, Weißenburg/Bayern: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1893–1908: St. Halvard til den flammende Stjerne, Hamar, Norwegen: Neugründung, 1908 Zusammenschluss mit der Instruktionsloge Olandenes Brderforening als St. Halvard in der Großen Landesloge von Norwegen
  • 1896: Theodor zum bergischen Löwen, Rath: Neugründung, 1897 nach Düsseldorf verlegt, 1933 erloschen
  • 1897: Galilei zur ewigen Wahrheit, Berlin: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1897: Zur Freundschaft an der Haardt, Neustadt/Haardt: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1899: Friedrich zur Frankentreue, Kulmbach: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1900: Albrecht Dürer, Nürnberg: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1900–1909: Humanitas til de tvende Liljer, Skien, Norwegen: Neugründung, 1909 affiliert zur Großen Landesloge von Norwegen
  • 1901–1923: Fichte zur Selbstbeherrschung, Berlin: Neugründung, 1923 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“
  • 1904: Dankward am rauhen Stein, Braunschweig: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1904: Walhalla zum aufgehenden Licht, Regensburg: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 als Sammelloge Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1904: Zur Freundschaft an der Saale, Bad Kissingen: Neugründung, ???? geschlossen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1908: Friedrich zur Eintracht, Lörrach: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1910: Zur Brüderlichkeit, Bukarest, Rumänien: Neugründung, ????
  • 1911: Zum geschlossenen Buch, Bochum: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1911: Zur Eintracht und Freimütigkeit, Frankfurt/Main: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1912–1919: Zur Treue, Colmar/Elsass-Lothringen: 1886 in der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ gegründet, 1912 affiliert zur Großloge Zur Sonne, 1919 entlassen zum Grand Orient de France (GOdF)
  • 1915–1918: Feldloge Zum Eisernen Kreuz, Lüttich/Belgien: Neugründung, 1918 im Oktober erloschen
  • 1918: Zur bergischen Freiheit, Solingen: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1919: Freie Forschung und Duldsamkeit/Schiller, Essen: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1923–1930?: Bluntschli zur reinen Erkenntnis, Berlin: Neugründung, zwischen 1929 und 1931 erloschen
  • 1923: In Treuen fest, Freiburg/Breisgau: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1923–1923: Zur Stadt auf dem Berge, Remscheid: Neugründung, bereits im selben Jahr 1923 affiliert zur Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“
  • 1924: Friede und Fortschritt, Elberfeld/Wuppertal: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1924: Zur Treue am Berg Horeb, Pirmasens: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1925: Zu den drei Säulen, Danzig (heute Gdańsk, Polen): Neugründung, 1933 erloschen
  • 1925–1931: Fichte zum flammenden Stern, Breslau (heute Wrocłav, Polen): Neugründung, 1931 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“
  • 1926: Thekla, eine Leuchte in Franken, Kitzingen: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1927: Jean Paul, Coburg: Neugründung, 1933 erloschen, 1947 als Sammelloge Zur fränkischen Krone reaktiviert, ab 1948 in der Großloge Zur Sonne für Bayern
  • 1927: Zu den drei Säulen am Giebichtstein, Halle/Saale: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1927: Humanitati, Hannover: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1928–1932: Beethoven zur ewigen Harmonie, Bonn: Neugründung, 1932 affiliert zur Symbolischen Großloge von Deutschland
  • 1928: Im Sonnenwinkel, Hamburg: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1929: Zur Beständigkeit, Hannover: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1930: Friede und Freiheit, Karlsruhe: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1931: Goethe zur Gestaltung des Lebens, Berlin: Neugründung, 1933 erloschen
  • 1931: Niedersachsen zur Treue, Magdeburg: Neugründung, 1933 erloschen

Großloge Zur Sonne für Bayern

  • 1948: Eleusis zur Verschwiegenheit, Bayreuth: 1741 in der Großen Mutterloge gegründet, 1800 affiliert zur Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“, 1811 Gründungsloge der Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Libanon zu den drei Cedern, Erlangen: 1757 in der Großen Mutterloge gegründet, 1799 affiliert zur Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, 1947 reaktiviert
  • 1948: Alexander zu den drei Sternen, Ansbach: 1758 in der Großen Mutterloge gegründet, 1778 affiliert zur Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“, 1947 reaktiviert
  • 1948: Zum Morgenstern, Hof: 1799 in der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ gegründet, 1811 Gründungsloge der Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Zur Wahrheit und Freundschaft, Fürth: 1803 in der Großen Loge von Preußen genannt „Royal York zur Freundschaft“ gegründet, 1811 Gründungsloge der Großen Provinzialloge Zur Sonne, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Brudertreue am Main, Schweinfurt: 1868 in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Zu den zwei Säulen an der festen Burg, Würzburg: 1871 als Zu den zwei Säulen am Stein in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 als Sammelloge Zu den zwei Säulen an der festen Burg reaktiviert
  • 1948: Augusta, Augsburg: 1872 in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Zur Kette, München: 1873 in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Friedrich zur Frankentreue, Kulmbach: 1899 in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Albrecht Dürer, Nürnberg: 1900 in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht, Regensburg: 1904 als Walhalla zum aufgehenden Licht in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 als Sammelloge Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht reaktiviert
  • 1948: Zur Wahrheit, Nürnberg: 1907 als Deutsche Freidenkerloge gegründet und Mutterloge des Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne (FzaS), 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Thekla, eine Leuchte in Franken, Kitzingen: 1926 in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 reaktiviert
  • 1948: Zur fränkischen Krone, Coburg: 1927 als Jean Paul in der Großloge Zur Sonne gegründet, 1933 erloschen, 1947 als Sammelloge Zur fränkischen Krone reaktiviert
  • 1948: Lukas Cranach zu den drei Rosen, Kronach: Neugründung
  • 1948: Zu den drei vereinigten Flüssen, Passau: Neugründung
  • 1948: Zu den drei Türmen, Rothenburg ob der Tauber: Neugründung
  • 1949: Harmonia zu den drei Rosen, Erlangen: Neugründung
  • 1949: Rose im Alpenland, Garmisch-Partenkirchen: Neugründung

Zeitfragen

Im Mai 1948 fand zum ersten Mal nach dem Verbot durch die Nazis im Gebäude der Erlanger Freimaurerloge "Libanon zu den 3 Zedern" der erste Großlogentag "Zur Sonne" statt. Die im Jahre 1741 gegründete Großloge gehört zu den größten deutschen Logen. Amerika, Frankreich und die Tschechoslowakei entsandten Vertreter. - Ein Stuhlmeister während einer Zeremonie in der Großloge.>br>Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-W1028-507 / CC-BY-SA
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1932: Offener Brief von Richard Schlesinger, Großmeister der Großloge von Wien, an die 'Großloge zur Sonne'

Die „Wiener Freimaurer-Zeitung" veröffentlichte im Herbst 1932 einen offenen Brief des Großmeisters der Großloge von Wien, Br. Dr. Richard Schlesinger, an den zugeordneten Großmeister der Großloge „Zur Sonne", Orient Bayreuth, Br. Dr. Bernhard Beyer, der von außerordentlicher Be­deutung ist.


"Wenn ihr aber in ihm (d. i. in einen fremden Bruder) einen echten, wirklichen Bruder entdeckt, so ehrt ihn als solchen." Aus den „Alten Pflichten", VI, 6.


Lieber Bruder! Sie haben in den Mitteilungen der Großloge „Zur Sonne" "Nr. 1, neunter Jahrgang 1932/33 unter der Überschrift „Brennende Tagesfragen" sich eingehend mit dem letzten Jahresberichte der Großloge von Wien befasst. Es ist nicht das erste Mal, dass unsere Großloge und ihre Äußerungen zum Gegenstand der Kritik von Brüdern Freimaurern ge­worden sind. Dieses Mal scheinen mir die Person des Kri­tikers und der Inhalt seiner Betrachtungen über unsere Groß­loge so wichtig, dass ich als verantwortlicher Leiter unserer Bruderkette es nicht unterlassen möchte, mich selbst mit diesem Kritiker, das ist mit Ihnen, lieber Bruder, aus­einanderzusetzen.

  • Die Großloge „Zur Sonne" von Bayreuth hat, ebenso wie die anderen humanitären Großlogen Deutschlands, die Tatsache, dass wir die Symbolische Großloge von Deutschland anerkannt haben, zum Anlasse genommen, um die Be­ziehungen zu uns abzubrechen — was in dem von Br. Misar. verfassten Jahresberichte der Großloge von Wien ihren Brüdern mit ehrlichem Bedauern zur Kenntnis gebracht wurde. Sie, lieber Bruder, bezweifeln, dass dieses Bedauern aufrichtig ist — anders kann Ihre Redewendung, „wenn es wahr wäre, was Br. Misar schreibt", nicht verstanden werden. Sollte Ihnen hier nicht ein Lapsus Calami unterlaufen sein, so müssen Sie, lieber Bruder, mir schon gestatten, zu erklären, dass ich niemandem das Recht zubillige, an der Aufrichtigkeit unserer Erklärungen zu zweifeln. Aber lassen wir diese pein­lichen Exkurse über das, was in einer Polemik unter Brüdern noch als schicklich angesehen werden kann. — Sie meinen, dass der Abbruch der Beziehungen zwischen Ihrer und meiner Großloge trotz der Anerkennung der Symbolischen Großloge von Deutschland zu vermeiden gewesen wäre, wenn diese An­erkennung „unter anderen Formen" erfolgt wäre.

Sie stellen sich offenbar die Sache so vor, dass wir uns mit den humanitären Großlogen — ich bin sehr gerne bereit, Ihnen zuzustimmen, dass ein wesentlicher Unterschied in der Auffassung der altpreußischen Großlogen von jener der humanitären über das Wesen der Freimaurerei besteht — hätten zusammensetzen und über die Frage der Regularität mit ihnen verhandeln sollen. Aber eine Verständigung gerade über diesen Punkt, lieber Bruder, halte ich für völlig aus­geschlossen und den Versuch zu einer solchen Verständigung für nichts als eine leere Formsache.

Damit Sie nicht aber auch mir den Vorwurf machen, ich hätte Unbewiesenes behauptet, so verweise ich auf die auch von Ihrer Großloge unterschriebene, der öffentlichen Presse übergebene „Erklärung", worin sich die sämtlichen deutschen Großlogen über die Gründung der Symbolischen Großloge äußern. Es heißt darin: „Die deutschen Großlogen erheben feierlich Einspruch gegen diese undeutschen Gründungen, die sie auf das entschiedenste ablehnen. Ihre freimaurerische Anerkennung ist wie für die Gegenwart so auch für die Zu­kunft ausgeschlossen." Weiter heißt es in dieser Erklärung, „dass weder der Oberste Rat in Deutschland noch die Symbolische Großloge, wie die von ihr gegründeten bestehenden oder späteren Logen, mit den alten deutschen Logen verwechselt werden dürfen, und dass deren Mitglieder als deutsche Freimaurer nicht angesehen werden können. Ihre Äußerungen, ihre Handlungen, ihr Wesen haben mit der alten deutschen Freimaurerei nichts zu tun".

Was hätte unter solchen Umständen eine Unterhaltung zwischen unseren Großlogen über die freimaurerische Neu­gründung für einen Zweck, wenn Ihre Großloge erklärt, die freimaurerische Anerkennung der Symbolischen Großloge von Deutschland sei auch für alle Zukunft ausgeschlossen?

Sämtliche deutschen Großlogen wollen eben die Sym­bolische Großloge von Deutschland nicht. Ob diese von einem Supreme Conseil befugterweise eingesetzt wurde, ist für mich — verzeihen Sie mir das offene Wort — eine Frage letzter Ordnung. Darum geht der Streit nicht. Gestehen wir es uns doch endlich einmal ein, dass die Einstellung der deutschen, auch der humanitären, Freimaurerei zu den für uns wich­tigsten Fragen: Abbau des Völkerhasses, Herbeiführung des inneren und äußeren Friedens, Pflege der internationalen Beziehungen in der Freimaurerei, eine ganz andere als die der österreichischen und der ihr gesinnungsverwandten Maurerei der Symbolischen Großloge von Deutschland ist. Sie bestreiten, dass jemand aus Ihrer Großloge wegen seiner Überzeugung ausgeschlossen worden ist, und es fällt mir nicht ein, die Richtigkeit Ihrer Behauptung anzu­zweifeln. Aber es handelt sich ja nicht um die Über­zeugung, sondern um die Betätigung derselben.

Die Groß­loge von Bayreuth verbietet, wie Sie selbst sagen, ihren Mitgliedern den Besuch internationaler maurerischer Kon­gresse und die Mitgliedschaft bei der Allgemeinen Freimaurerliga. Dies heißt doch nichts anderes, als dass sie die Übertretung dieses Verbotes als ein nach den Satzungen Ihrer Großloge zu ahndendes freimaurerisches Vergehen behandelt. Die Begründung für dieses Verbot, dass nämlich die All­gemeine Freimaurerliga „weiter nichts ist als ein Sprach­rohr der „romanischen Freimaurerei", sind Sie uns, lieber Bruder, schuldig geblieben. Freilich gebe ich gerne zu, dass die Gründung der Allgemeinen Freimaurerliga mit eine Mög­lichkeit schuf, dass Brüder deutscher und französischer (wenn Sie von Romanen sprechen, meinen Sie doch wohl haupt­sächlich die französische) Zunge miteinander friedlich ver­kehren und sich über allgemeine freimaurerische Fragen aussprechen können.

Dass es bei solchen Gelegenheiten ge­schieht, dass sich deutsche Brüder von französischen belehren und beeinflussen lassen, ist ebenso wie der umgekehrte Fall sicherlich möglich und schadet auch nichts. Ich komme auf dieses Thema noch einmal zurück.

Und nun wieder zu dem von Br. Misar verfassten Tätig­keitsbericht der Großloge von Wien. Vorerst erkläre ich, dass dieser Tätigkeitsbericht Wort für Wort von mir und von der gesamten Großloge gutgeheißen wurde. Wir sind mit Br. Misar einig in dem schmerzlichen Bedauern darüber, dass, um ein von mir bei der Johannisfeier der Großloge im Jahre 1931 gebrauchtes Wort zu wiederholen, deutsche Großlogen den jetzigen Zeitpunkt geeignet gefunden haben, die Beziehungen zu einem deutschen Kulturfaktor, wie die Großloge von Wien einer ist, abzubrechen. Wir sind mit Br. Misar aber auch darin einig, dass wir den Abbruch der Beziehungen, und zwar gerade mit den humanitären Groß­logen, haben kommen sehen. Der Sturmzeichen gab es mehrere. Der Briefwechsel zwischen dem Großmeister der Großloge von Hamburg und dem Führer der national­sozialistischen Bewegung in Deutschland war geeignet, das stärkste Befremden bei der Großloge von Wien zu erregen. Wir hatten gedacht, dass der Schritt des Großmeisters einer humanitären Großloge, des Br. Bröse, in der gesamten deut­schen humanitären Freimaurerei eine scharfe Abfuhr er­fahren werde. Nichts von all dem geschah.

Vielleicht hätte die Großloge von Wien mit vollem Rechte verlangen können, dass die humanitären Großlogen sich mit uns vorerst darüber verständigen, ob mit einer Partei, die auf ihre Fahne den Kampf gegen die Freimaurerei bis aufs Messer geschrieben hat, in Korrespondenz getreten werden soll. Wir konnten es nicht verstehen, dass solche verzweifelte und aussichtslose Anstrengungen gemacht werden, um die Gunst eines ge­schworenen Feindes der Freimaurerei zu erringen.

Nun können Sie, lieber Bruder, mir entgegenhalten, dass Ihre Großloge mit diesem Schritte des Großmeisters der Großloge von Hamburg nichts zu tun hat. Allein auch in Ihrer eigenen Großloge haben sich Dinge ereignet, die zu der von Ihrer Bruderkette bislang geübten Toleranz in schroffem Gegensatze stehen. Wir kommen nicht darüber hinweg, dass auf dem Großlogentag der Groß­loge von Bayreuth vom Jahre 1931 auf Antrag der Heidel­berger Loge „Ruprecht zu den fünf Rosen" folgende drei Thesen angenommen wurden:

  • 1. Jeder Freimaurer, jede Loge, jede Großloge muss religiösen Glauben und Willen als für sie bindend aner­kennen.
  • 2. Nur die alten Großlogen werden in Deutschland anerkannt.
  • 3. Jede Verbindung mit Systemen und Vereinigungen, die von jenen alten abweichen, insbesondere solchen, die Politik treiben, wird abgelehnt (speziell die französische Freimaurerei, Liga, A. u. A. Schottischer Ritus).

Br. Paul Selter meint in seinem an Ihren Großmeister, Br. Kölblin gerichteten Briefe vom 12. Juli 1931: „Damit hat der nationale und religiöse Orthodoxismus („die Heidel­berger Gedanklichkeit", sagt der Jahresbericht) die Groß­loge ,Zur Sonne' ganz ergriffen." Ob Br. Selter mit dieser Behauptung recht hat oder nicht, muss ich besseren Kennern der internen Verhältnisse Ihrer Großloge überlassen, als ich es bin.

Aber vielleicht werden Sie, lieber Bruder, es jetzt be­greifen, wenn die Großloge von Wien es nur als eine Frage der Zeit ansah, wann die Beziehungen der humanitären deutschen Freimaurerei zu uns abgebrochen werden. Wäre es nicht die Anerkennung der Symbolischen Großloge von Deutschland gewesen, so hätte sich ein anderer Anlass ge­funden, dessen können Sie sicher sein. Wir wissen, dass der Pazifismus als Programmpunkt von den deutschen Großlogen abgelehnt wird.

Der Pazifismus der Großloge von Wien ist oft und bedauerlicherweise auch von Ihnen missverstanden worden. Sie nennen ihn phrasenhaft und steril, offenbar vom Goethe-Wort ausgehend, dass man im Deutschen lügt, wenn man höflich ist.

Unser Pazifismus ist der unseres unvergesslichen Br. Alfred Hermann Fried. Wenn seinerzeit die Preisrichter diesem Bruder den Nobelpreis zuerkannt haben, so scheinen sie in der Beurteilung der angeblichen Phrasenhaftigkeit nicht auf der von Ihnen, lieber Bruder Beyer, betretenen Ebene zu stehen. Wenn Sie unseren Pazifismus steril nennen, so glaube ich, dies so verstehen zu müssen, dass er nicht nur gegenwärtig keine Früchte trägt, sondern für alle Zeiten unfruchtbar bleiben wird.

Lieber Bruder, lassen wir das Prophezeien. Ich werde Ihnen einige kleine Bei­spiele, von denen Sie wahrscheinlich bisher nichts gewusst haben, aufzeigen, aus denen Sie vielleicht eine andere An­schauung gewinnen werden. Sie wissen, dass wir Frei­maurer unsere Taten nicht an die große Glocke hängen, insbesondere dann nicht, wenn wir dann nicht nur uns, sondern auch der Sache schaden könnten. Dass wir seit jeher jede profane Friedensarbeit mit Geldmitteln unterstützen, dass wir einzelne Aktionen zugunsten konkreter Friedensarbeit überhaupt erst möglich gemacht haben, dass eine Reihe von Brüdern in den verschiedensten Friedensorganisationen hervorragend tätig sind, dass die Groß­loge von Wien gemeinsam mit der österreichischen Friedens­gesellschaft am 29. Internationalen Weltfriedenskongreß zu. Wien (4. bis 9. September 1932) eine von dem Universitäts­professor Dr. Friedrich Hertz verfasste Denkschrift „Die Wirtschaftsnot in Mitteleuropa und der Weltfriede" (inhalt­lich und besonders sachlich wohl eine der bedeutendsten Publi­kationen des Kongresses) vorgelegt hat, dürfte Ihnen ebenso wenig bekannt sein wie die Tatsache, dass unsere Arbeit auch der inneren Befriedung gilt.

Als im Jahre 1928 der innere Friede durch Aufmärsche bewaffneter Formationen ständig gefährdet war, hat die Großloge eine Aktion der Liga für Menschenrechte unterstützt, die in wirksamer Weise zur Beruhigung der Bevölkerung beigetragen hat. Die Groß­loge von Wien unterstützte ein von der Frauenliga für Frieden und Freiheit veranstaltetes Preisausschreiben pazifi­stischer Tendenz für Schüler und Schülerinnen der Volksschulen mit einem sehr namhaften Betrage. 20 000 Schüler und Schülerinnen haben sich an diesem Wettbewerbe beteiligt.

Zur Zeit der Ruhrbesetzung hat die Großloge an eine Reihe neutraler Großbehörden ein Rundschreiben gerichtet und diese Großbehörden zur Intervention gegen die Besetzung aufgerufen.

Freilich konnten alle diese Aktionen noch nicht bewirken dass das goldene Zeitalter des Friedens schon angebrochen ist; aber glaubte denn jemand wirklich, dass die Friedensidee nach jahrtausendelangem Kampfe aller gegen alle in zwanzig Jahren die Welt erobern werde? Trotzdem heißt es diese unendlich mühsame Kleinarbeit völlig verkennen, wenn man sie „steril" nennt. Und nun nochmals zu der Großloge von Wien zurück­kehrend, erkläre ich Ihnen, lieber Bruder, folgendes: Die Wiener Großlogenleitung hat niemals Unwahrheiten die von Scharfmachern über Ihre Großloge verbreitet worden sind, irgendeinen Glauben geschenkt. Sie hat sich, um eine juristische Redewendung zu gebrauchen, immer nur auf den Urkundenbeweis gestützt. Aber so befremdend und so schmerzlich der Großloge von Wien manche urkundlich fest­gelegten Äußerungen der humanitären Großlogen erschienen sind, so hat sie doch, von der Überzeugung beseelt, dass alle Großlogenleitungen bei jedem ihrer Schritte nach bestem Wissen und Gewissen vorgegangen sind, niemals selbst die Verbindung mit einer Großbehörde gelöst.

Den deutschen Großbehörden war es vorbehalten, der Großloge von Wien gegenüber einen Schritt zu tun, der zu unserem Leidwesen bezeugt, wie wenig Achtung man der freimaurerischen Überzeugung anderer Brüder entgegenbringt, von deren ernster und schwieriger Arbeit gerade Sie, lieber Bruder, einige Kenntnis haben sollten.


Ich möchte aber noch den prinzipiellen Gegensatz be­tonen, der sich zwischen mir, beziehungsweise meiner Groß­loge und den deutschen Großlogen, auch den humanitären, auftut. Man weiß es von mir, und ich habe dies nicht nur in meinen Ansprachen, sondern auch insbesondere anlässlich der Zehnjahrfeier unserer Großloge in dem Vorworte zu deren Festschrift bemerkt, dass Formfragen bei uns eine untergeordnete Rolle spielen. Unsere Auffassung von dem Wesen eines richtigen Freimaurers ist und bleibt die dass er ein anständiger, freier Mann von gutem Rufe sein,' dem Sittengesetze gehorchen und bestrebt sein soll, seinen Mit­menschen gegenüber Duldung und Achtung an den Tag zu legen. Besitzt er diese Eigenschaften, dann gehen wir bei der Beantwortung der Frage „woher er kam" weniger streng ins Gericht. Ich weiß, dass diese Auffassung von anderen Großbehörden nicht geteilt wird. Wir anerkennen vorbehaltlos das Recht jeder Großloge, in diesem Punkte ihre eigenen Grundsätze zu haben und deren Befolgung von ihren Brüdern zu verlangen. Aber niemals werden wir den Ge­dankensprung verstehen, dass Brüder deswegen, weil sie die Sache vor die Form setzen, vom brüderlichen Verkehr aus­geschlossen sein sollen.


Darüber helfen keinerlei Betrach­tungen und keinerlei Berufungen auf Tradition und weiß Gott was hinweg. Daher verstehen wir aber auch nicht, warum unsere Beziehungen zu den romanischen Brüdern stets den Gegen­stand argwöhnischer Untersuchungen seitens deutscher Groß­behörden bilden müssen. Jedenfalls haben wir von den freimaurerischen Bestrebungen romanischer, insbesondere fran­zösischer Brüder, einen anderen Eindruck empfangen als er Ihnen, lieber Bruder, durch den Bericht eines Bruders Lötz in Koblenz über eine in Luxemburg - wohlgemerkt im Jahre 1912 - vorgefallene Episode vermittelt worden ist. Ich muss gestehen, dass ich schon Geschmackvolleres als diesen Bericht gelesen habe. Wir erfahren, dass bei einem Festessen in Luxemburg, an welchem Deutsche und Franzosen, aber nicht nur Brüder, sondern auch Frauen und Kinder teilnahmen, ein vorzügliches Menü und besonders gute Weine, letztere in reichlicherer Fülle als das Essen verabreicht wurden. Wir erfahren von einer tadellos objek­tiven Haltung des Vorsitzenden Br. Bernardin und von erregten politischen, auf Elsass-Lothringen bezughabenden Tischreden, die ein Bruder C, ein Bruder N und ein Bruder S. führten. Dass der Bruder C. ein Festmahl für den richtigen Ort ansah, um die Elsass-lothringische Frage an­zuschneiden und sie vor französischen Brüdern dahin zu erledigen, dass Elsass-Lothringen nunmehr bei Deutschland bleiben müsse, dass daraufhin ein Pariser Bruder, aufge­stachelt durch seinen Knaben, zu wettern begann, und dass schließlich das Ganze in einen Tumult ausartete, beweist mehreres:

  • 1. dass man freimaurerische Angelegenheiten nicht un­nötigerweise vor Frauen und Kindern erörtern soll;
  • 2.dass man anlässlich freimaurerischer Festlichkeiten nicht über Fragen politischer-Natur diskutieren darf;
  • 3. dass es nie gut ist, wenn ein Bruder Wein, den er nicht verträgt, in zu großen Mengen zu sich nimmt.

Diese ganze Geschichte zeigt, dass vor 20 Jahren einige deutsche und französische Brüder sich in Taktlosigkeiten ergingen, die nach der Meinung der Brüder selbst auf den starken Weingenuß zurückgeführt wurden. Bruder Lötz berichtet, dass dann sofort eine Versammlung in der Loge einberufen wurde, wo ein Bruder S. seine Ungezogenheiten zurücknahm und die Gegner sich durch Bruderkuss ver­söhnten.

Bruder Beyer möge mir verzeihen, wenn ich aus dieser ganzen Darstellung nicht zu entnehmen vermochte (was Ihnen, lieber Bruder, offenbar gelungen ist), wie es auf internationalen Maurerkongressen, „wo die Romanen schon von jeher das große Wort geführt haben", zugeht. Die romanischen Brüder mögen sich dafür bedanken, dass Wirts­hausszenen, an denen sich Frauen und Kinder beteiligten, mit den Vorgängen auf romanischen Maurerkongressen auf gleiche Stufe gestellt werden. Dass deutsche und romanische Brüder sich mit gleichem Takt, mit gleicher brüderlicher Höflichkeit zu benehmen pflegen, davon konnte Bruder Beyer sowohl im Jahre 1928 in Wien als auch im Jahre 1930 in Prag sich überzeugen.

Zum Schlusse noch ein Wort über das Kapitel Vater­landsliebe. Ich erkläre hier, dass die Liebe zum Vater­lande nicht nur eine in der Konstitution der Großloge von Wien den Brüdern auferlegte Pflicht ist, sondern dass die österreichischen Brüder genauso wie die deutschen oder wie die romanischen an ihrem Vaterlande hängen. Die öster­reichischen Brüder haben es eben als eine Selbstverständ­lichkeit angesehen, dass sie mit ihrem armen, beispiellos unglücklichen Vaterlande leiden. Sie haben genau so wie ihre deutschen Brüder im Reich das furchtbare Schicksal des Krieges mitgemacht und tragen jetzt schwer an der ent­setzlichen wirtschaftlichen Not der Nachkriegsjahre. Es ist aber der österreichischen Freimaurerei nicht eingefallen, bloß, um sich ihre Vaterlandstreue attestieren zu lassen, hilfesuchend sich an Personen zu werden, denen sie das Ver­ständnis für freimaurerische Ideale abspricht.


Möchte doch die deutsche Freimaurerei den prachtvollen Nachruf, den Br. Posner in der Zeitschrift „Die drei Ringe" dem in den ewigen Osten eingegangenen italienischen Groß­meister Torrigiani widmet, beherzigen. Posner fällt über die romanische Freimaurerei ein wesentlich anderes Urteil als Sie, lieber Bruder. Er schreibt: „Die italienische Frei­maurerei ist unter Torrigianis Führung niemals von der gegebenen internationalen Linie bei allem südlich kochen­den Nationalismus abgerückt ... sie ist blutig erschlagen worden, aber sie ist stolz untergegangen in dem Bewusstsein, ihren Platz ausgefüllt zu haben und vor sich selbst ehrlich geblieben zu sein."


Ich wünsche vom Herzen, dass die österreichische, ebenso wie die deutsche, Freimaurerei vor dem grausamen Schick­sale, ihrer italienischen Schwester bewahrt bleibe. Ich hoffe, dass weit über die mir vom Schicksal noch bestimmten Lebensjahre hinaus die Großloge von Wien an den ihr ge­setzten Aufgaben weiter arbeiten wird. Und es wäre mir Freude und Beruhigung, wenn die zwischen uns und den Brüdern im Reiche jetzt vorwaltenden Missverständnisse und Spannungen bald wieder einem vorurteilslosen gegenseitigen Verstehen und einem herzlichen brüderlichen Verkehre Platz machen. Dazu ist auf beiden Seiten nur einiger guter Wille nötig. Bei uns ist er vorhanden; dass er sich auch auf deut­scher Seite einstelle, dazu könnten Sie, lieber Bruder, vieles beitragen.

Ich habe mir den vorstehenden Brief vom Herzen ge­schrieben. Ich musste es tun, so sehr auch die Erörterung freimaurerischer Zerwürfnisse in der Öffentlichkeit meinem Wesen zuwiderläuft. Vielleicht ist aber jetzt die Luft reiner geworden und das gegenseitige Zusammenkommen erleichtert.

Ich begrüße Sie, lieber Bruder, in aufrichtiger brüder­licher Wertschätzung und Hochachtung Dr. Richard Schlesinger, Großmeister. Wien, im September 1932."

Der Österreicher Richard Schlesinger starb am 5. Juni 1938 als SS-Gefangener. Er war in Gefangenschaft, weil er Freimaurer war. Weitere ca. 100 Brüder aus Österreich sind dort namentlich bekannt. "1933 wurden 62 Freimaurer von Nazis ermordet, 238 wurden aus Deutschland vertrieben und 53 wurden In Konzentrationslager gebracht. 377 Freimaurer wurden aus ihren Ämtern und Berufen entlassen und 44 nahmen aktiv am Widerstand gegen das Regime teil." Um einen stellvertretend zu nennen: Wilhelm Leuschner, Innenminister des Volksstaates Hessen und Freimaurer. Am 29. September 1944 wurde Wilhelm Leuschner im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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