Die drei kleinen Lichter der Freimaurerei

Aus Freimaurer-Wiki
Version vom 12. Januar 2026, 00:30 Uhr von Philipp-Gerlach (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Autor: Philipp Gerlach

Die drei kleinen Lichter als Weisheit/Stern, Stärke/Mond und Schönheit/Sonne auf einer Münze.

Die drei kleinen Lichter sind ein zentraler Bestandteil der Lichtsymbolik in der Freimaurerei. Sie werden von den drei großen Lichtern unterschieden. Während diese über eine klare Zuordnung verfügen, gibt es mehrere Entsprechungen der drei kleinen Lichter. [1]

Historische Entsprechungen

Die Einheit in der Dreiheit ist ein grundlegendes Konzept, in vielen Kulturen und Religionen. Mit der Dreiteilung reihen sich die drei kleinen Lichter daher in eine lange kulturelle Tradition, die in der Freimaurerei besonders ausgeprägt ist.

In den ältesten erhaltenen Ritualniederschriften ist nur von "drei Lichtern" die Rede. Zunächst wurde also nicht zwischen den großen und kleinen Lichtern unterschieden.

Die Zuordnung der "drei Lichter" variierte zudem.[2] Zum Beispiel:

Aktuelle Entsprechungen

Personifikationen der drei kleinen Lichter als Weisheit, Stärke und Schönheit auf Strichätzungen von Jens Rusch.

Auch heutzutage existieren noch mehrere Zuordnungen, die sich je nach Lehrart ergänzen oder überschneiden. Am verbreitetsten sind:

Beide Zuordnungen schließen sich nicht wechselseitig aus und können sich sogar ergänzen.

Weisheit, Stärke, Schönheit

Die drei kleinen Lichter als die drei hohen Kerzenleuchter um den Arbeitsteppich.

Mindestens seit dem 'Wilkinson Manuscript' (1727) bzw. 'Masonry Dissected' (1730) wird die Trias Weisheit-Stärke-Schönheit als die drei Säulen bezeichnet, auf denen die Loge ruht. Später wurden mit den drei Säulen auch die sich darauf gesetzten Lichter bezeichnet. Die Säulen und Lichter befinden sich dazu in der Mitte des Tempelraums, an den drei Ecken der Arbeitstafel.

Besonders in Deutschland nimmt das Entzünden und spätere Löschen der Lichter eine zentrale Stellung beim rituellen Öffnen und Schließen der Loge ein. [4] Die Lichter werden dabei in der Regel den drei hammerführenden Beamten zugeordnet.

Zudem korrespondieren die Säulen häufig mit den klassischen Säulenordnungen.

Daraus ergibt sich:

Die Trias Weisheit-Stärke-Schönheit stellt nur eine von mehreren Trias freimaurerischer Tugenden dar (auch z.B. Brüderlichkeit-Toleranz-Menschenliebe). Es scheint unklar, wieso sich letztlich Weisheit-Stärke-Schönheit an derart zentraler Stelle durchgesetzt hat.

Logenstunden

In einigen Lehrarten dient das Entzünden der Lichter der Unterteilung der Arbeit in Logenstunden:

Das Entzünden der drei kleinen Lichter in einer Tempelarbeit.

Sinnsprüche

Der Akt des Entzündens und Löschens zum Öffnen und Schließen der Loge wird meist durch Sinnsprüche begleitet.

  • Im Ritual der AFuAM lauten diese beispielsweise:[6]
    • "Weisheit leite den Bau"
    • "Stärke führe ihn aus"
    • "Schönheit vollende ihn"
  • Im Ritual des FzaS beispielsweise:[7]
    • "Wissen ist Macht! Du Leuchte der Wahrheit, wandle die Nacht
zu sonniger Klarheit"
    • "Können ist Kraft! Du Leuchte der Stärke, Weise den Weg
zu dauerndem Werke!"
    • "Wollen zeigt Ziele! Du Leuchte der Güte, gieß deine Schönheit in unser Gemüte!"

Wie aus dem Kerzensprüchen des FzaS hervorgeht: Es wird sich nicht unbedingt streng an die Entsprechung der Lichter zu den drei Tugenden gehalten (hier: Wissen-Können-Wollen für Weisheit-Stärke-Schönheit)

Sonne, Mond und Meister

Die drei kleinen Lichter als Sonne, Mond und Meister. (KI-generiert)

Eine explizite Zuordnung der drei kleinen Lichter ist ebenfalls mindestens seit dem Wilkinson Manuscript (1727) und Masonry Dissected (1730) bekannt. Beide Manuskripte verbinden die drei Lichter mit den drei Regenten Sonne-Mond-Meister. Diese kosmologische Auslegung ist auch heute noch für die drei kleinen Lichter geläufig.[6]

  • Die Sonne regiert den Tag. Sie spendet das Licht, das für das Leben und die Arbeit notwendig ist. Symbolisch steht sie für das aktive, das warme Prinzip, die Emotionen und das männliche Geben.
  • Der Mond regiert die Nacht. Er steht für das passive, das kalte Prinzip, den Verstand und das weibliche Empfangen. In der Symbolik wird der Mond oft als das Reflektierende gesehen, das das Licht der Sonne widerspiegelt, um auch in der Dunkelheit Orientierung zu geben.
  • Der Meister regiert die Loge. Er soll die Brüder erleuchten (ihnen Wissen und Weisheit vermitteln) sowie über die Einhaltung der Ordnung der Loge wachen.

Mit dem Meister ist also der Meister vom Stuhl, nicht der Meistergrad gemeint. In einigen Lehrarten (z.B. in den in Deutschland unüblichen Arbeiten in I bis III des AASR) werden Sonne und Mond als physische Darstellungen im Osten, neben dem Meisterstuhl angeordnet.[8]

Interpretation

von Philipp Gerlach

Es handelt sich in der Gegenüberstellung von Geben (Sonne) und Nehmen (Mond) um keine Wertung. Das Passive wird nicht minder dem Aktiven gesehen — oder gar das Weibliche minder dem Männlichen. Vielmehr sollten beide Prinzipien, Sonne und Mond, als sich wechselseitig ergänzend verstanden werden.

Die Auflistung des Meisters an dritter Stelle stört in gewisser Weise die Ästhetik der Dualität von Sonne und Mond. Man kann die Nennung des Meisters jedoch auch als Auflösung eben dieser Dualität interpretieren, als Dialektik also: Von These über Antithese zur Synthese. In diesem Sinne vermittelt der Meister die beiden Pole, ohne einen von beiden zu negieren. Er bedarf keines Entweder-Oder — kein Gefühl oder Verstand. Der Meister weiß, um die Stellung beider Prinzipien in seinem Leben, kann diese abwägen und findet so, durch Maß und Mitte, zur harmonischen Lebensführung.

Weitere Entsprechungen

Die Zuordnung ist, wie oben beschrieben, nicht universell. Während beispielsweise die meisten Logen der AFuAM dem Schema Weisheit-Stärke-Schönheit und Sonne-Mond-Meister folgen, gibt es in anderen Lehrarten Abweichungen:

Trivia

Rein äußerlich sind die drei kleinen Lichter größer als die drei großen Lichter.

Die drei Licht-spendende Kerzen korrespondieren mit den drei, ebenfalls Licht-spendenden Fenstern.[8]

Galerie

Die drei kleinen Lichter...

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Licht. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  2. Carr, H., & Smyth, F. (1976). The Freemason at Work. Lewis Masonic.
  3. Evtl. stehen die drei Lichter im Sloane Manuscript auch statt für Sonne-Meister-Winkelmaß für Sonne-Meister-Reißbrett. Der Text lautet: "The sun, the master and the square".
  4. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Öffnen und Schließen der Loge. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  5. Lennhoff, E., Posner, O. & Binder, D. (1932/2022). Logenstunden. In: Internationales Freimaurerlexikon. Langen Müller.
  6. 6,0 6,1 AFuAM (2011): Lehrlings-Ritual der Großloge
der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Bauhütten-Verlag.
  7. FzaS (1914): Das feierliche Gebrauchtum des I. Grades.
  8. 8,0 8,1 z.B. AASR (2011): Lehrlingsritual. Jacob de Molay zum Nordstern.
  9. Strikte Observanz (1764). Catechismus der str.(ikten) Ob.(servanz). https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb10446381
  10. 10,0 10,1 Feddersen, KCF (1986): Die Arbeitstafel in der Freimaurerei. Band II: Die Symbolik der Arbeitstafel. Quatuor Coronati.