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Rolf Appel

Aus Freimaurer-Wiki

Rolf Appel ist einer der wahrscheinlich bedeutendsten lebenden Freimaurer. Schon der Vater war Logenmitglied und als solches dem massiven Druck der Nazis ausgesetzt. Dass er sich dennoch stets unbeugsam zum Bund bekannte, beeindruckte den Sohn so sehr, dass er sich später ebenfalls einer Loge anschloss.

Für die Bruderkette ein Gewinn! Um nur einige wenige Verdienste zu nennen: Appel schrieb bisher mehr als 50 Bücher über Freimaurerei, verhandelte mit dem Vatikan die Annäherung von Freimaurerei und katholischer Kirche (Lichtenauer Erklärung) und war lange Zeit u. a. freimaurerischer Weggefährte von Br. Axel Springer. Ein kleiner Teil der Lebenserfahrung wurde jetzt auf DVD festgehalten

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Zeichnung: Jens Rusch


Inhaltsverzeichnis

Rolf Appel

  • Rolf Appel, Schriftsteller

geboren 1920

Loge "Die Brückenbauer" o.O. Hamburg

Quelle des Textes: Pegasus

Freimaurerei und Literatur

Stets haben sich Freimaurerei und Literatur wechselseitig beeinflusst. Immer wieder haben Freimaurer das, was sie während der rituellen Arbeiten ihrer Logen erlebten, was sie anregte, innerlich bewegte und was sich in ihnen zum Ausdruck formte, niedergeschrieben und veröffentlicht.

Andererseits haben sich freimaurerische Autoren mit Wesen und Geschichte der Freimaurerei befasst. So hat die von Historikern nicht ausreichend erfasste Frühgeschichte dieses Männerbundes immer wieder Anlass gegeben, auf eigene Faust und oft mit nur ungenügenden Kenntnissen sich aufzumachen, um neue Erkenntnisse aufzudecken oder auch nur gutgemeinte Mutmaßungen zu verbreiten. Wiederum galt es oftmals, auf feindselige Äußerungen und die Verbreitung von Vorurteilen zu reagieren und die Freimaurerei in Schutz zu nehmen und unberechtigte Verdächtigungen zurückzuweisen.

Schließlich verlangte die von der diskreten Gesellschaft der Freimaurer ausgeschlossene Öffentlichkeit Aufklärung und Information über Absichten und Wirkungsweise dieser Männer-Vereinigung.

Das alles hat immer wieder Mitglieder des Bundes veranlasst, zur Feder zu greifen und schriftlich festzuhalten, was dem jeweiligen Autor besonders am Herzen lag. Gerade diese Liebe zur Sache bei den zahlreichen Schreibern macht es denjenigen, die ernsthaft über Freimaurerei arbeiten wollen, so schwer, die vielfach vorhandenen Materialien auf ihren Wert zu prüfen und zu beurteilen, welche Schriften für die eigene Forschungsarbeit denn nun rechtens sind und welche Schriften nicht den gestellten Anforderungen entsprechen.


Reichtum an ethischem Gedankengut

Darüber hinaus hat der zu allen Zeiten in den Logen entwickelte Reichtum an ethischem Gedankengut schriftstellerisch Begabte veranlasst, davon möglichst viel und möglichst intensiv in die Öffentlichkeit zu tragen, in dem Bewusstsein, auf diese Weise etwas für die Gesellschaft Wertvolles zu tun. Ich nenne als Beispiele Lessings dramatisches Gedicht „Nathan der Weise" und Goethes „Faust", oder aus der neueren Zeit Alexander Gieses Roman „Licht der Freiheit" oder „Spiegelsäule" von Rolf Appel.

Richtig vom Rituellen her aufgenommene Freimaurerei drängt geradezu danach, in die Nachbarschaft des einzelnen Bruders oder in die Öffentlichkeit des freimaurerischen Schriftstellers zu wirken.

Kultur der Freiheit

Freimaurerei hat sehr viel mit dem Schreiben zu tun, weil das Schreiben mit der Kultur der Freiheit zusammenhängt. Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Vor sich das in die Maschine eingespannte Papier, ist es unumgänglich, sich vom unmittelbaren Leben zu isolieren und in die Innenwelt der Erinnerung zu dringen, der Sehnsucht, der Intuition und dem Instinkt nachzuspüren, jener Elemente, von denen sich die schöpferische Fantasie nährt. Ich weiß nicht, ob es allen Schriftstellern so geht, aber in meinem Fall ist es so, dass ich noch so sehr nach Klarheit streben kann, eine rationale Kontrolle über die Geschichte und ihre Personen zu bewahren, nie kann ich eine gewisse Dunkelheit vermeiden, die dem Schreiben im Augenblick der Schöpfung wie ein Schatten anhaftet. Das hat auch mit dem Ringen nach dem allein richtigen Satz mit den allein richtigen Wörtern zu tun, und doch bleibt immer ein Unergründliches, ein Geheimnis, wie dieses auch der Freimaurerei anhaftet. Dieses Element, das unwillkürlich aus dem verborgensten Innern des Schriftstellers hervortritt, färbt dann die Geschichte, die man schreibt, in besonderer Weise, stellt zwischen den geschilderten Personen Beziehungen her, die bisweilen – und gänzlich ungewollt – die bewusste Absicht auf subtile Weise verkehren.


Schattenbereich

Manche Schilderung erhält dann einen Symbolismus, der in manchen Fällen nicht nur von der eigenen Idee abweicht, sondern ihr überraschend widersprechen kann. Denn im Augenblick des Schreibens besitzt ein Schriftsteller etwas mehr als Intelligenz, Ratio, Ideen. Es ist jener Schattenbereich unserer Persönlichkeit, den unser Tagesbewusstsein unterdrückt oder ignoriert. Im schöpferische Prozess, dem viel Magisches innewohnt, setzt sich oft etwas durch, was bisher nur oberflächlich und reduziert vorhanden war. Aber das Schreiben stellt nicht nur dar, sondern orientiert sich stets – wenn es glaubhaft sein will – an der Wahrheit.


Wer ernsthaft das Schreiben als harte Arbeit betreibt, der muss bewusst machen, dass Literatur Feuer ist, das sie Abweichung vom Üblichen und Gewohnten ist, dass sie Rebellion bedeutet, dass die raison d’être des Schriftstellers der Protest, der Widerspruch, die Kritik ist. Wer wirklich ernsthaft schreibt, der kennt keinen Mittelweg, keinen Kompromiss. Der Schriftsteller muss das Wagnis eingehen, als ein unbequemer Störenfried ausgegliedert zu werden.

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So laufen die Dinge. Niemand, der mit der Wirklichkeit einverstanden, mit ihr versöhnt ist, würde sich zu der ehrgeizigen Ungereimtheit versteigen, sprachliche Wirklichkeiten zu erfinden. Die literarische Bestimmung eines Schriftstellers entsteht aus der fehlenden Übereinstimmung mit seiner sozialen Umwelt, aus der unmittelbaren Erkenntnis der Mängel in seiner Umgebung.

Die Umwelt aufwecken

Das ist nichts Neues, das ist schon in den Märchen vorhanden. Die Literatur mag verboten werden, aber sie wird niemals konformistisch sein. Nur wenn sie diese Bedingung erfüllt, nützt die Literatur der Gesellschaft, trägt sie zur Vervollkommnung der Menschen bei. Und an diesem Punkt läuft die Literatur – nicht die, die nur unterhalten will – parallel zu den Bestrebungen der Freimaurer: Die Umwelt aufwecken, ändern und verbessern.


Wenn ein Schriftsteller in dem Sinne seiner inneren Berufung treu bleibt, dann kämpft er gegen geistigen Stillstand, gegen Selbstgefälligkeit, gegen Erstarrung und Lähmung, vor allem gegen Zwang. Literatur muss agitieren, beunruhigen, alarmieren, die Leser in Unzufriedenheit mit sich selbst versetzen, sie zumindest zur Selbsterkenntnis heranführen. Der Schriftstellerarbeitet daran, dem Leser einen Spiegel über sich und die Verhältnisse vorzuhalten, ohne dass dieser etwas von dem Spiegel merkt.


Jeder Kompromiss, etwa, um die Gunst des Publikums oder gar staatlicher oder finanzieller Kräfte zu erlangen, ist seitens des Schriftstellers ein Verrat. Nicht anders als gestern, so auch heute und morgen müssen Schriftsteller auch in der neuen Gesellschaft nein sagen, rebellieren, fordern, dass ihr Recht auf Abweichung akzeptiert wird, müssen sie auf jene lebendige magische Weise, wie nur die Literatur dies vermag, aufzeigen, dass Willkür, Dogmatik und Zensur Todfeinde des Fortschritts und der Menschenwürde sind. Schriftsteller müssen auf ihre oft symbolische Weise darauf hinwirken, dass das Leben weder einfach, noch in Schemata zu pressen ist. Sie müssen mit ihren Büchern immer wieder Zeugnis ablegen von der fundamentalen Komplexheit und Vielfalt der Welt, von der so widersprüchlichen Vielfalt aller menschlichen Dinge, die der Schreibende nicht einengen, nicht auf ein vorgegebenes Maß zuschneiden darf, sondern denen er den weitesten Spielraum einräumen muss. Und damit ist die Arbeit des Schriftstellers dem Wollen und Wirken eines die Freimaurerei auslebenden Bundesbruders gleich.


Freimaurerei ist international, stellt sich als eine Kette rund um die Welt dar, in der alle Glieder das Verlangen nach Menschenrecht, Freiheit und Verbrüderung haben. Dem steht die nationalistische Kultur entgegen in der der Untergang des freien Schriftstellers beschlossen liegt. Wir brauchen nicht lange zu suchen, um in der Kulturgeschichte derartige Entwicklungen aufzuspüren. Die kirchliche Inquisition – nicht nur die römisch-katholische – bekämpfte nicht allein den Andersgläubigen, sondern auch die Ergebnisse freien Schöpfertums. Und dann denken wir an Hitlers Deutschland, an Mussolinis Italien, an Francos Spanien, an Stalins Sowjetunion, an Maos China, nicht zuletzt an die Kultursteuerung in der Deutschen Demokratischen Republik: überall wurde ein kultureller Nationalismus verlangt und gefördert. Die Diktatoren versuchten, eine nach außen abgeschlossene, nicht durch fremde Einflüsse „verunreinigte" Kultur zu schaffen, die durch Zensurmaßnahmen vor dem grenzüberschreitenden Begegnen der Kulturen "schützen" sollten.


Diesem kulturellen Nationalismus begegnen wir heute ganz besonders in der Dritten Welt, wo man meint, die eigenen Kulturgüter müssten vor dem gierigen Kapitalismus geschützt werden. Diese Schützabsicht bedeutet aber immer zugleich auch Unterdrückung des schöpferisch Tätigen, besonders des Schriftstellers.


Genauso wie die Freimaurerei die Menschen einander näher bringen und verbrüdern will, so sieht auch der Schriftsteller seine Aufgabe darin, auf das menschlich Verbindende hinzuweisen und die ausgebreiteten Arme der Menschen deutlich zu machen, die sich nach Versöhnung ausstrecken, nach Versöhnung und einem Miteinander-vertraut-Werden. Und gerade auch in der Beziehung ist der Schriftsteller dem auf das Ausleben seines Freimaurertums bedachten Mann auf das innigste verwandt, verbrüdert.

Biographische Daten

  • 1920 Geboren in Süderbrarup /Schleswig-Holstein
  • 1945 Lizenz der Brit. Militärregierung als Buchverleger
  • 1945 Mitgründer Nordd.Buchhändler- u. Verleger-Verbandes
  • 1946 -1970 Buchverleger der Herrnhuter Brüdergemeine
  • 1948 Aufnahme als Freimaurer
  • 1949 - 1953 Hamburger CVJM (Vorstand)
  • 1950 Gründer der Initiativgruppe Guinness
  • 1950 - 1962 Leiter der Jugendarbeit (Flensburg bis Göttingen) in der *Herrnhuter Brüdergemeine
  • 1952 Predigt in der Petrikirche zur Allianzgebetswoche
  • 1952- 1955 Sprecher aller deutschen CVJM
  • 1952 - 1960 Meister vom Stuhl der Loge „Globus
  • 1958 - 2002 Redakteur der freimaurerischen Zeitschrift Hanseatisches Logenblatt (mit Unterbrechungen)
  • 1960 Vorstandsmitglied des Freimaurer-Krankenhauses
  • 1960 - 1962 Distriktsmeister der Distriktloge Hamburg/Schleswig-Holstein
  • 1962 Ehrenmitglied in der JL „Roland
  • 1962 Ehrenmitglied in der JL „Die Brückenbauer
  • 1963 - 1983 Aufbau und Erweiterung des Bauhütten-Verlags
  • 1964 - 1967 Zug. Großmeister der Großloge AFuAMvD
  • 1965 Ehrenmitglied in der JL „Armin zur Treue und Einigkeit
  • 1965 Antragsteller zur Verleihung eines Literaturpreises
  • 1965 - 1967 Vorstand der Junioren-Handelskammer Hamburg
  • 1965 - 1970 Redakteur der freimaurerischen Zeitschrift Die gelben Blätter
  • 1966 Laudatio auf den Literaturpreisträger Max Tau
  • 1966 - 1975 Schöffe
  • 1967 Anreger zur Gründung des Forum Masonicum (Loge 67)
  • 1967- 1969 Redakteur der freimaurerischen Zeitschrift EURO MASON
  • 1968 - 1970 Meister vom Stuhl in der Loge „Eidora zum Schwan“
  • 1968 - 1981 Kommissionsmitglied „Dialog mit der Kath. Kirche“
  • 1969 Ehrenmitglied in der JL „Friederike zur Unsterblichkeit“
  • 1969 Mitgründer des Y’s Men Club
  • 1970 Ehrenmitglied in der JL „Selene zu den drey Thürmen
  • 1971 - 1979 Vorstandsmitglied des Norddeutschen Buchhändler- *und Verleger-Verbandes
  • 1973 - 1978 Redakteur der freimaurerischen Zeitschrift Die Bruderschaft
  • 1974 Verleihung der „Matthias-Claudius-Medaille““
  • 1975 Ehrenmitglied in der JL „Zum goldenen Schwerdt
  • 1975 Ehrenzeichen der GL AFuAM in Gold
  • 1976 - 1979 Geschworener
  • 1977 - 2002 Vorstand des Sozialwerks des Deutschen Buchhandels
  • 1979 - 1982 Erarbeitung des Ritualwerks der GL AFuAM (zusammen mit Wolfgang Scherpe und Klaus Horneffer)
  • 1980 - 1984 Meister vom Stuhl der Loge „Frithjof zum Nesselblatt
  • 1980 - 1984 Gutachter für Verlagsrechtsfragen beim OLG
  • 1983 Laudatio auf den Literaturpreisträger Lew Kopelew
  • 1984 Ehrenmitglied in der JL „Theodor Vogel
  • 1985 Handelsrichter
  • 1987 Ehrenmitglied in der JL „Absalom zu den drei Nesseln
  • 1989 Ehrenmitglied in der JL „Zur Siegenden Wahrheit
  • 1990 - 1994 Meister vom Stuhl der Loge „Die Brückenbauer
  • 1990 - 1995 Redakteur der freimaurerischen Zeitschrift Humanität
  • 1991 - 2002 Aufbau der Freimaurerei in Litauen
  • 1993 Ehrenmitglied in der Loge „St Georg zur grünenden Fichte
  • 1993 Laudatio auf den Literaturpreisträger Reiner Kunze
  • 1994 Archivar und Bibliothekar, Distriktsloge Hamburg
  • 1994 Ehrenmitglied in der JL „Fritjof zum Nesselblatt
  • 1995 Mitgründer der Künstlergesellschaft PEGASUS
  • 1996 Ehrenmitglied der JL „Renaissance“, Litauen
  • 1996 Verleihung des CICERO-REDNERPREISES
  • 1997 - 2000 1. Vors. der Lessing-Gesellschaft zu Hamburg
  • 1998 Verleihung der Paulskirchenmedaille in Silber
  • 1999 Ehrenmitglied in der Gesellschaft „Pegasus
  • 2000 Verleihung der „Bernhard-Beyer-Medaille“
  • 2000 Laudatio auf den Literaturpreisträger Arno Surminski
  • 2002 - 2005 Erneut 1. Vors. der Lessing-Gesellschaft zu Hamburg
  • 2003 Mitgl. des Ältestenrats der Herrnhuter Brüdergemeine
  • 2004 Verleihung des LESSING-RINGS
  • 2005 Ehrenmitglied in der JL „Ferdinand zum Felsen
  • 2005 Ehrenkreuz der Großloge von Lettland
  • 2005 Ehrengroßmeister der „Großloge von Litauen
  • 2006 Ehrenvorsitzender der Lessing-Gesellschaft zu Hamburg

Quelle: Br Jürgen Boll

Video

Buchbesprechung

Quelle: Kater

"Das kurze Glück des Gustav Otto Meyer " von Rolf Appel.

Es geht um drei Freimaurer, deren Charakter und Lebenssituation grundverschieden ist.

Gustav Otto Meyer - in der Jugend lebensbejahend und tatenfroh. Mit 17 Jahren erkrankt er an einer Verkrümmung des Rückgrads. Durch eine Art Mobbing verschlechtern sich seine Lebensumstände derart, daß er Elternhaus und Heimatort verläßt.

Er versteckt sich vor der Welt, bis er durch Zufall einen Vers von Eichendorff liest.

Zitat:

"Der Verfasser hieß Eichendorff. Gustav Otto Meyer war unlustig und durchblätterte es oberflächlich, aber am Ende des mit -Sängerleben- überschriebenen Abschnitts fiel ihm ein Vierzeiler ins Auge:
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
Und die Welt hebt an zu singen, wenn man das richtige Zauberwort trifft' In allen Dingen schläft ein Lied?
Auch in ihm, dem Gustav Otto Meyer?
War der Sinn in allen Dingen, der Sinn des Lebens im Verborgenen?
Ein Lied, das erst zum Erklingen gebracht werden mußte? Geht es also nur darum, den richtigen Schlüssel zu finden, das Zauberwort?"

Diese Zeilen ermutigen Meyer, sein Leben auf sich zu nehmen und zu meistern. Sie bringen ihn sozusagen auf die "SUCHE" Er bleibt allerdings menschlich und seelisch alleine, bis er Freimaurer wird.

Zitat:

"Ich kann nicht in Worte fassen, was ich empfinde, weil meine Sprache nicht ausreicht. Ich stamme aus sehr bescheidenen Verhältnissen, und dann mein Wachstumsschaden. Ich müßte Musik machen, aber das kann ich nicht. Da reichen meine Fähigkeiten nicht aus. So bleibt alles bei mir im Innern."

Er schwieg. Warum offenbarte er sich in dieser Weise einem Menschen, den er eigentlich gar nicht kannte? Mit dessen Vater er im Grunde nur einmal zwei Versicherungen abgeschlossen hatte? Doch er fuhr fort: -Mein inneres Ich kann nicht zur Welt kommen."

Der Gedanke, wie man sein "Inneres zur Welt bringen kann" , kann einen schon ganz schön beschäftigen. Ich denke, daß die Freimaurerei sehr gute Möglichkeiten bietet den "inneren Menschen zur Welt zu bringen."

Mehr verrate ich nicht über Herrn Meyer. (Und keine Sorge: Die Mitgliedschaft in der Freimaurerei beschert ihm kein "Friede- Freude- Eierkuchen-Dasein")

Der zweite Mann ist Norbert Nonis. Gegenüber dem jähzornigen Vater eher ängstlich.-In der Schule braver Durchschnitt. Schwach im Sport - bei seinen Mitschülern ein Mitläufer...er wartete ab, wo es etwas zu gehorchen gab.Wird später von einer herrschsüchtigen Frau geheiratet. Als Aufseher über Zwangsarbeiter ist er bemüht den Menschen ihr herbes Los zu erleichtern.

Später muß er Steine klopfen und putzen. Hierbei gerät er in Kontakt zur Freimaurerei, die unmerklich einen anderen Menschen aus ihm machen wird.

Auch hier wird nicht mehr verraten.

Der dritte Mann, Herr Rolf Obenhaupt, weiß Menschen zu begeistern und an sich zu binden. Zitat:

"Er wußte, wofür er sich mit Wort und durch die Tat einzusetzen hatte. Seine zahlreichen Reden in den Logen standen dafür, und manche seiner Leitsätze waren wie Fanfarenstöße, etwa:
Für Zwang und Gewalthandlungen darf es nie und niemals eine Rechtfertigung geben- oder:
Toleranz ist der Raum, in dem die Wahrheit gefunden werden kann. Darum brauchen wir von Mensch zu Mensch die gegenseitige brüderliche Anerkennung oder:
Wenn Toleranz so praktiziert wird, daß man sich lediglich unverbindlich und neutral verhält, dann ist man dabei, die Toleranz zu zerstören« oder:
Wahrheit duldet keinen Zwang."

oder....

Zitat:

" Norbert Nonis war hingerissen, als er Rolf Obenhaupt reden hörte: -Wir sind von denen, die an ein Glück auf dieser Erde glauben. Wir sind von denen, die das Leben nicht für einen sinnlosen Betrug halten, sondern die in ihm ein Streben nach dem Glück erblicken. Und wir wollen daran glauben trotz der seelenwürgenden Armut der Großstädte und trotz des Elends auf den Schlachtfeldern, trotz der Maßlosigkeit und Beschränktheit der Massen. Wir wollen von denen sein, die das nicht für Glück halten, was auf der Spielbühne des Lebens als solches gepriesen wird: Rausch und Reichtum, Erfolge und Ehrungen, Besitztum und Macht. Nimmer wurde der glücklich, der eines dieser Dinge für Glück hielt. Diese Güter sind nichts als Spiegelungen und Scheinbilder, und nichts ist gewisser als ihre Ungewißheit. Wir wollen für Schein halten, was Schein ist, und fallen uns solche Gaben zu, so laßt sie uns tragen, als hätten wir sie nicht.
Wir sind von denen, die das wirkliche Glück suchen, nicht das kleine Los, mit dem man es flüchtig und ohne Mühen zu ergreifen sucht, sondern wir wissen: Glück ist immer ein Werden, nie ein Fertiges. Glück ist die jubelnde Gewißheit des Wachsens und Reifens. Es ist nie ein Zustand, sondern ist immer im Werden, und wir tun gut daran, uns auf unserer Lebenswanderung dessen stets eingedenk zu sein."

Nicht nur Norbert Nonis lauschte gebannt den meisterlichen Worten. Dann hörte er ihn das Gebet der rituellen Versammlung sprechen:

Großer Meister! Wecke und mehre in uns die Kräfte der Verantwortung! Auch an uns liegt es, daß andere bekommen, was sie benötigen, denn wir gehören alle als ein Ganzes zusammen. Wir wollen als Brüder unser Leben mit allen Menschen teilen. Laß uns sehen, wo wir einander entfremdet sind, damit wir Versöhnung leben und Trennendes überwinden! Amen.-"

Auch Herr Obenhaupt wird eine späte Wandlung erfahren.

Alle drei Männer verändern sich, aber nicht nur durch das Leben an sich, sondern durch den brüderlichen Einfluß, den sie als Freimaurer aufeinander ausüben, genau da, wo Wort zur Tat wird.

Hier noch ein paar Stellen, die zum Nachdenken einladen:

Zitat:

"Das läßt mich an einen Bildhauer denken«, versetzte er. -Der hat einen ungefügen Stein vor sich, aber in sich eine Idee, was in diesem Stein an Ausdrucksmöglichkeiten verborgen ist, und er beginnt, diese seine Vorstellung mit Hammer und Meißel aus dem Stein herauszuarbeiten.

Was ihm vorschwebt, was er gleichsam im Traum vor sich sieht, das versucht er aus dem Stein herauszuschlagen. Nein, eigentlich schlägt er das Überflüssige weg, damit seine Phantasie Wirklichkeit wird. Er darf dabei keinen Fehlschlag tun, sonst sind Stein und Phantasie verdorben. Vielleicht verhält es sich ähnlich bei einem derartigen Traum, daß man abwarten muß, wie er sich weiterentwickelt.

Und, wie um sich selbst zu bekräftigen, fügte Rolf Obenhaupt hinzu: "Wenn ich einen Stein behaue, dann bringe ich ihn in meine Vorstellung hinein. Dann beseele ich ihn."

Zitat:

"Als eins der Mitglieder der Gemeinde böse erkrankte und sich bei einem Besuch des Rolf Obenhaupt bitter darüber beschwerte, daß es im Leben so ungerecht zuginge, antwortete er in einem Brief: -Die Ungerechtigkeit und das Beschweren über sie schiebe beiseite. Liebe ist das einzige, das zunimmt und wächst, wenn wir es verschwenden. Sie muß sich nicht nur der Schwachen erbarmen, sondern auch derer, die ungerecht und hart gegen uns waren. Trotzdem haben wir die Verpflichtung, immer dort der Ungerechtigkeit entgegenzutreten, wo sie sich uns stellt.
Lieber Freund, wir sollten nicht die Finsternis beklagen, sondern wir haben in der Finsternis ein Licht anzuzünden, damit die Menschen sehen, aber auch, damit wir selber uns erkennen und recht urteilen können."

Siehe auch

  • Lichtenauer Erklärung
  • Kurt Baresch: Rolf Appel war Mitglied des von Kurt Baresch in den späten 1960iger und in den frühen 1970iger Jahren organisierten Dialogforums zur Beratung der Katholischen Kirche; es ging um die Beseitigung des 'Freimaurerparagraphen' aus dem Codec Iuris Canonici (CIC).

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