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England

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England

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

England ist das Mutterland der heutigen Freimaurerei. Zugegeben, daß Bauhüttengebräuche, die sich seit den Zeiten des Altertums in den Steinmetzvereinigungen, Akademien usw. herausgebildet hatten, möglicherweise von Frankreich und Deutschland aus nach England überführt wurden, so bleibt doch das eine bestehen, daß die besondere gebrauchtumsmäßige Form eines Männerbundes, der sich im Anschlusse an die Steinmetzenbruderschaften entwickelt hat, von England ausgegangen ist und von dort aus die zivilisierte Erde erobert hat. Daß die Freimaurerei in England aus bruderschaftlichen Verbänden hervorgegangen ist, den von Sonnenkalb zur Erklärung herangezogenen Trinity Guilds, steht wohl fest. Die Vorgeschichte der Freimaurerei in England ist aber in vielen Punkten trotz der ergebnisreichen Untersuchung des Kreises der Quatuor Coronati in London und deutscher Forscher, wie Wilhelm Begemann, Keller, Wolfstieg, Sonnenkalb u. a in manchen Punkten noch ziemlich umstritten. Die Schranke des Raumes setzt auch unserer Darstellung Grenzen, so daß nur das Allerwichtigste hervorgehoben werden kann.

Steinmetzengilden (Craft guilds) mit sehr alten Gebräuchen bestehen in England schon im 14. Jahrhundert. Darauf deutet das alte Regius-Manuskript, die sogenannte Halliwell-Handschrift, die Ende des 14. Jahrhunderts verfaßt ist, sowie Bauverträge wie z. B. der von York, 1352, in denen den Steinmetzen die Einhaltung ihrer "alten Gebräuche" zugesagt wird. Sehr alte Bauhüttenordnungen sind bekannt aus Schottland, wo 1598 bis l599 William Schaw, der "Lord Warden Generall of the Masons", eine allgemeine Bauhüttenordnung und eine besondere für die Loge by the Kirk of Kilwynning (s.d.) herausgab.

Sind die Logen also ursprünglich Vereinigungen von Werkleuten zu einem bestimmten Bauzweck, daher z. B. die Loge "An der Marienkapelle zu Edinburgh", so bestehen in ihnen oder neben ihnen bruderschaftliche Verbände, denen nicht nur die Werkgenossen, sondern auch deren Frauen und Witwen angehören. Eine derartige Gild of Masons ist beispielsweise aus Lincoln, 1380, bekannt. Hier ist auch der Zweck dieser Vereinigung genau ausgeführt. Die Freimaurer werden dort caementarii genannt. Die Bruderschaft umfaßt die fratres et sorores. Der Zweck der Vereinigung ist vor allem ein religiöser. Es werden Messen an bestimmten Tagen gelesen, Pilgrime unterstützt, es gibt Lichtspenden für die Kirchen, weshalb die verschiedenen Strafen wegen Nichteinhaltung der Satzungen auch in Pfunden Wachs taxiert sind, es gibt Armen- und Krankenunterstützung und schließlich wird dafür Vorsorge getroffen, dass jedes Mitgied eines kirchlichen anständigen Begräbnisses teilhaftig wird und für sein Seelenheil Messen gelesen werden.

Diese Bruderschaften, die Company of Freemasons, sind in verschiedenen Teilen Englands nachweisbar. Am besten zu verfolgen sind sie in London, wo Conder ihre Geschichte auf Grund der noch erhaltenen Originalakten zusammenstellen konnte. Die erste Erwähnung der Freimaurer als einer City Guild geschieht 1376 unter Edward III., wobei sie jedoch nur eine sogenannte Fellowship of Preßcription war, d. h. eine mehr freiwillige Vereinigung, die vom Könige keinen Freibrief besaß. Daß sie jedoch den inkorporierten Gewerkschaften oder Zünften gleichgestellt war, beweist der Umstand, daß sie 1472 das Vorrecht erhielt, ein Wappen zu führen. 1481 erhielt sie weiters das Recht, eine besondere Zunfttracht, Livery, zu tragen. Dieses Recht ist enthalten in einer Ordnung, die den Namen "Ordinacio lathomorum" trägt. Im 16. Jahrhundert hört nun die Bezeichnung Fellowship auf und wird durch den seither bleibenden Namen Society of Freemasons ersetzt. Erst 1677 erhielt sie "gegen eine freiwillige Spende" von dem immer in Geldnöten befindlichen Karl II. einen königlichen Freibrief.

Seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar wahrscheinlich aber schon früher, treten in dieser Company Personen als Mitglieder auf, die mit der Kunst der Steinmetzen selbst, also der Werkmaurerei, nur mittelbar oder überhaupt keine innere Beziehung haben. Es sind dies Geistliche, Personen, die vielleicht als adelige Patronatsherren zur Zunft in Beziehung standen, ferner Söhne von Zunftmitgliedern, die auf dem Wege des "Patrimoniums" Mitglieder wurden. Diese Leute, die nicht immer Standespersonen gewesen sind, werden in London als angenommen, accepted, bezeichnet. Conder konnte nun nachweisen, daß sich im Schoße der Werkgemeinschaft eine besondere Gesellschaft absondert, die als Acceptance oder Acception bezeichnet wird. Aus den Rechnungsbüchern der Londoner Company, die bis 1620 zurückreichen, läßt sich nachweisen, daß nicht alle Mitglieder der Zunft auch Mitglieder der Acceptance gewesen sind. Die Zahl der Angenommenen ist auch nicht übermäßig groß gewesen. In den Jahren 1620-1682 sind bloß 35 Namen verzeichnet, die auf "Nichtzünftler" hinweisen (Rylands). Die erste historisch belegte Aufnahme eines Non-Operative, also eines Nichtzünftlers, in eine Steinmetzengilde ist die eines Boswell of Auchinleck, die 1600 in Edinburgh stattfand. 1641 wurde der Generalquartiermeister der schottischen Armee, Robert Moray, im Lager von Newcastle in eine Werkloge aufgenommen. Elias Ashmole (s. d.) erwähnt in seinem Tagebuche vom 16. Oktober 1646, 4 Uhr 30 p. m., daß er zu Warrington in Lancashire zum Freimaurer gemacht wurde.

Anderenorts war die Teilnahme der Nichtzünftler eine stärkere. Als z. B. die Loge in Aberdeen 1670 ihre Satzungen neu ausgearbeitet hatte, unterschrieben diese 59 Mitglieder, von denen jedoch nur noch sieben Werkmaurer waren. Diese Nichtzünftler, für die der Name Speculatives, geistige oder Symbolmaurer, späterhin in die freimaurerische Terminologie eingegangen ist (sie selbst nannten sich niemals so), gewannen somit die Oberhand an einzelnen Orten. Es wäre vollkommen verfehlt, wenn man in diesen Zusammenschlüssen irgendwelche Bildungen zu höherem geistigen Zwecke, etwa zu religiösen oder philosophischen, oder gar zu besonderen esoterischen Zwecken erblicken wollte. Daß Personen, die mit einem Handwerk nichts zu tun haben, dennoch ehrenhalber in eine Zunft aufgenommen werden, oder bei ihr aus geselligen Gründen Anschluß suchen, gehört zu den gesellschaftlichen Sitten Englands (So wird beispielsweise 1781 Bugh Perey, Herzog von Northumberland, in die Zunft der Fleischhauer aufgenommen, John Lambton wird 1813 Mitglied der Schmiede u. a. m.) Auch der Anreiz eines Mysteriums, eines besonderen Geheimnisses, ist sicherlich nicht vorhanden gewesen. Das in alten Akten erwähnte Mystery hat mit Mysterium nichts zu tun und bedeutet, ebenso wie Trade, Art, das Gewerbe (vom Spätlat. misterium, frz. mestier [métier], altengl. mistere).

Daß diese eigenartigen Vereinigungen, die sich unter besonderen Gebräuchen versammelten, ihre eigenen Erkennungszeichen hatten, in der Öffentlichkeit bekannt waren, also nicht etwa als Geheimbund auftraten, bezeugen zahlreiche Anspielungen in zeitgenössischen Werken. Randle Holm schreibt in seiner "Academy of Armorie" "I cannot but Honour the Fellowship of the Masons because of its Antiquity, and the more, as being a member of that Society called Free Masons" (1688). Dr. Robert Plote (1651-1696) erwähnt in seiner "Natural History of Staffordshire" die Craft of Masonry und sucht ihre Gebräuche zu schildern, in einem Studentenulk an dem Trinity College in Dublin (1688) werden die Freimaurer sogar schon verspottet, und in der bekannten Zeitung "Tatler" wird 1709 von einer Gesellschaft, Pretty Fellows, geschrieben: "sie haben ihre Zeichen und Griffe wie die Freimaurer". Das spricht dafür, daß die Freimaurer als Einrichtung schon so gut bekannt waren, daß man sie als Vergleichsmoment mit bekannten Eigenarten heranziehen konnte.

Die Großloge von London

Jedenfalls bestanden derartige Logen von Freimaurern, die also mit der Zunft wenig mehr zu tun hatten, die sich auch gar nicht mehr in der Zunfthalle der Freimaurer, sondern in Tavernen versammelten, gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Sie scheinen sogar in ziemlichem Verfall gewesen zu sein, denn der hochgelehrte Dr. William Stukeley schreibt in seinem Tagebuch, daß er 1717 aufgenommen wurde, daß er die erste Person gewesen sei, die seit vielen Jahren zum Freimaurer gemacht wurde, und daß man Mühe hatte, genug Mitglieder für die Zeremonie zu bekommen. Anderson schießt die Schuld für diesen Niedergang dem berühmten Baumeister Londons und der St. Pauls Kathedrale, Christopher Wren, zu, der die Logen vernachlässigt habe. Nun ist die Zugehörigkeit Wrens zum Bunde mehr als strittig. Tatsache ist, daß die Logen eine Periode des Niederganges durchmachten, und daß sie aus einer Zentralisierung der Leitung sich Vorteile für die Gemeinschaft versprachen. Diese Versuche gehen bis auf das Jahr 1716 zurück. Nachdem man in einer Zusammenfassung der Meister eine Art leitende Organisation geschaffen hatte, ging man zur höheren Einheitsstufe, der Großloge, über.

Am 24. Juni 1717 traten in der Taverne "Goose and Gridiron" ("Zur Gans und zum Bratrost") vier Logen, die sich nach ihren Versammlungsorten benannten, und zwar "Zur Gans und zum Bratrost", "Zum Römer und zur Traube", "Zur Krone" und "Zum Apfelbaum" zusammen und gründeten nach den Berichten eine Großloge, indem sie einen Großmeister aus sich wählten, bis ihnen die Ehre zuteil werden sollte, einen adeligen Br. an die Spitze zu stellen. Durch Handmehr wurden gewählt Anthony Sayer, Gentleman, zum Großmeister, zu Großaufsehern Jacob Lamba (11=II ?), Zimmermann, und Kapitän Joseph Elliot. Bezeichnenderweise ist also unter den ersten Großbeamten kein Steinmetz mehr. Die Großloge nannte sich "Großloge von London und Westminster", hatte also damals noch keinerlei imperialistische Absichten. Allerdings stammt der Bericht aus dem Jahre 1738, und Anderson ist ein etwas unzuverlässiger Historiker. Vielleicht ist die Bezeichnung Großloge und Großmeister daher auch späteren Datums. Die folgenden Großmeister sind der Steuersekretär George Payne (1718), dem im Jahre 1719 Dr. Desaguliers folgt (s. d.). 1720 ist Payne wieder Großmeister, der 1721 vom ersten adeligen Großmeister, dem Herzog von Montagu (s. alle diese) abgelöst wird.

Mit dieser Wahl beginnt ein neues Kapitel der englischen Freimaurergeschichte. Es dürfte Dr. Dedagulierd gewesen sein, der den ihm aus der Royal Society bekannten Herzog zur Übernahme des Großmeisterhammers veranlaßt haben dürfte. Damit hatte die Freimaurerei gesellschaftlich Fuß gefaßt. Der englische Hochadel begann sich für die Bruderschaft zu interessieren, und die Stelle des Großmeisters wurde begehrenswert, denn Montagus Nachfolger der Herzog von Wharton, drängte sich der Großloge geradezu auf, als er 1722 zum Großmeister gewählt wurde. Die Art, wie er sich benahm, und das gewisse Ressentiment das er gegen den Bund behielt, läßt auf verletzte Eitelkeit schließen. Jedenfalls aber war die Freimaurerei nunmehr in England gesellschaftlich gesichert. Seit 1721 stehen ausschließlich Mitglieder des englischen Hochadels oder Mitglieder des Königlichen Hauses an der Spitze der Großloge. Der Erfolg der Freimaurerei wurde in den Anfangsjahren gekrönt durch die Aufnahme des Prinzen Friedrich Ludwig von Wales (1737) (s. England, Königshaus).

Die ersten Jahre der neugeschaffenen und zu überraschendem Aufstieg gelangten Körperschaft sind naturgemäß dem Ausbau gewidmet. Nachdem bereits Großmeister Payne alte Akten der früheren Logen vorgelegt hatte, gab nach der Darstellung Andersons der Herzog von Montagu den Auftrag, aus diesen alten "Gotischen Konstitutionen" eine neue für die Großloge anzufertigen. Mit dieser Arbeit wurde der Reverend Anderson betraut, der schließlich ein Manuskript ablieferte, das den Titel führt. "The Constitution, History, Laws, Charges, Orders, Regulations and Usages of the Right Worshipfull Fraternity of Accepted Free Masons collected from their general Records and their faithfull Traditions of many Ages." Dieses Werk, zu dem der geistig bedeutende Dr. Desaguliers, die starkste Personlichkeitdes "Revival" der Freimaurerei, die dem Herzog von Montagu zugeeignete Widmung schrieb, wurde unter der Großmeisterschaft des Herzogs von Wharton genehmigt und bildet die für die moderne Maurerei grundlegende Schrift, die unter dem Namen der "Alten Pflichten vom Jahre 1723" allgemein bekannt ist. Am Schluß des geschichtlichen Teils dieser ersten Ausgabe erwähnte Anderson über die Geschehnisse von 1717 an nur sehr weniges.

Er sagt lediglich: "die freigeborenen britischen Nationen hatten im Genusse des Friedens und der Freiheit in letzter Zeit dem glücklichen Sinn für masonry jeder Art sich stark hingegeben und die verfallenden Logen Londons wieder belebt in der Metropole, wie an anderen Orten ständen verschiedene würdige Einzellogen in Blüte, die eine Vierteljahrsberatung und eine jährliche Hauptversammlung hatten, um darin die Formen und Gebräuche der sehr alten und ehrwürdigen Bruderschaft klüglich zu bewahren, die Königliche Kunst gehörig zu pflegen und den Kitt der Brüderlichkeit zu erhalten, so daß die ganze Körperschaft einem wohlgefügten Gewölbe gleiche. Edelleute, Geistliche und Gelehrte hatten sich den ,Pflichten' unterworfen und trugen die Abzeichen eines freien und angenommenen Macon unter dem gegenwärtigen würdigen Großmeister, dem sehr edlen Herzog von Montagu". (Übersetzt von Begemann in seiner "Vorgeschichte und Anfänge der Freimaurerei in England", 2. Buch.) Erst die Ausgabe von 1738 war dann ausführlicher, aber ihre Einzelheiten sind leider nicht sehr verläßlich.

Pflichten und Charges

Am 17. Jänner 1723 konnte der Großaufseher J. Timson das neue Konstitutionsbuch gedruckt vorlegen- Sie bestand aus "History" und "Charges und von Payne geformten 39 General Regulations", also aus Geschichte, Plichten und allgemeinen Verordnungen. Dazu kamen einige Lieder.

Die "Pflichten" waren betitelt:

"The Charges of a Freemason, extracted from the ancient records of Lodges beyond the Sea and of those of England, Scotland and Ireland, for the use of the Lodges in London to be read at the making of New Brethren or when the Master shall order it."

Sie handelten:

I. von Gott und Religion,
II. von der höheren und niederen bürgerlichen Obrigkeit,
III. von den Logen,
IV. von Meistern, Aufsehern, Genossen und Lehrlingen,
V. von der Fürhrung der Zunft bei der Arbeit,
VI. von Benehmen, nämlich:
1. in der Loge, solange sie gestaltet ist,
2. wenn die Loge zu Ende ist, und die Brr. noch nicht gegangen sind,
3. wenn Brr. sich treffen ohne Fremde, ' aber nicht in einer förmlichen Loge,
4. in Gegenwart Fremder, die keine Maurer sind,
5. im Hause und in eurer Nachbarschaft,
6. gegen einen fremden Bruder

Symbolmaurerei und Werkmaurerei

Symbolmaurerei war also noch immer mit Vorschriften für die Werkmaurerei verquickt. Denn noch hatte ja letztere sich nicht vollständig losgelöst. Aber viele derer, die die "Alten Plichten" in ihrer neuen Gestalt lasen, sahen auf den Grund; sie lächelten oder räsonierten über die "History", aber sie erkannten den Geist der maurerischen Magna charta, den Willen, das Trennende beiseite zu lassen, das Sehen nach der "Befreundung des Feindlichen", die Abkehr vom Dogma, die Möglichkeit einer Synthese von Arbeit und Kontemplation.

Vielleicht noch nicht gleich, als das Konstitutions buch in die Öffentlichkeit kam. Aber lange dauerte es nicht, bis der Samen aufging und der freimaurerische Gedanke seine Werbekraft erwies. Alle die wie Comenius es einmal genannt hat, "Männer der Sehnsucht" waren, fühlten sich von der neuen Baukunst angezogen, deren Baustoff "nicht Holz, nicht Stein, nicht Erz und Mörtel, sondern Leben und Seele" sein sollte. Es war nach August Horneffer ("Der Bund der Freimaurer", 1913) förmlich so , als ob eine unsichtbare Macht die besten Männer der verschiedensten Nationen und aller Geistesrichtungen in das Gehege dieser rätselhaften Arbeitsgilde trieb und eine noch weit stärkere Macht sie in ihr festhielt und bei allen Gegensätzen der Auffassung zu einer treuen Gesinnungsgemeinschaft zusammenschmiedete. Schon 1725 verzeichnete die Loge "Römer und Trauben" von bekannten Persönlichkeiten den Dissenterprediger Lord Paisley, den Physiker Sir Richard Manningham, Mitglied der Royal Society, den Diplomaten Lord Waldegrave, den Grafen Albrecht Wolfgang von Lippe-Bückeburg, dann später Friedrich den Großen auf die Freimaurerei aufmerksam machte. Anderen Bauhütten gehörten der jüngere Lord Stanhope, der hervorragende Staatsmann und Schriftsteller, der Mediziner Dr. Beal, der Numismatiker Martin Folkes an.

Der Herzog von Wharton, ein adeliger Tunichtgut, schied bald im Unfrieden von seiner Großloge. Nicht genug daran, gab er Anstos zu einer Bildung, die gegen die Freimaurerei gerichtet war und die unter dem Namen Gormogonen (s. d.) die Freimaurerei verspottete. Daß in der jungen Großloge auch sonst nicht immer alles in schönster Ordnung war, beweist auch das berühmte Sittenbild des Großlogenfunktionärs William Hogarth (s. d.), "Die Nacht"1, das besonders die etwas überschäumende Lebensfreude der Logen geißelt. Unter adeligem Einfluß nahmen die Logen auch Gebräuche an, die an die Gepflogenheiten der hohen militärischen und zivilen Orden erinnerten. Dazu gehörten auch die feierlichen Aufzüge oder Prozessionen durch die Straßen Londons, die aber zu Gegendemonstrationen, den sogenannten Prozessionen der Mock Masons oder Seald Miserables (s. d.) führten, so daß, nachdem es 1744 sogar zu Pöbelexzessen gekommen war, die Großloge vom öffentlichen Auftreten absehen mußte. Auch von anderer Seite erfolgten Feindseligkeiten. Sensationell aufgemachte "Verräterschriften", die der neugierigen Menge allerlei aus dem Ritual mitteilten, kamen in den Buchhandel.

Als erste eine Art Katechismus: "The Mason's Examination" (erschienen 1723 in der Flying Post). Besondere Berühmtheit und reißenden Absatz erlangte das Pamphlet "Masonry dissected"2 von Samuel Prichard, das das vollständige Ritual enthielt und mancherorts (namentlich, als es in andere Sprachen übersetzt worden war) als Grundlage maurerischer Tätigkeit benutzt wurde. Trotzdem nahm die Großloge ständig zu. Die gestohlene Logenliste von Pine aus dem Jahre 1735 weist bereits 107 Logen auf, darunter Logen in Indien und auf dem europäischen Kontinent. Auch Werke ad extra werden schon begründet. So der Fund of Benevolence, der auf den Großmeister Dalkeith (1723-1724) zurückgeht und die Stiftung von Waisenhäusern, die schon 1739 angeregt wurden. Allerdings darf man sich durch die hohen Logenzahlen in den ersten Jahren nicht täuschen lassen. Nicht alle Logen, die eingesetzt wurden, haben auch tatsächlich immer gearbeitet, und die Großloge hatte ihre liebe Not mit der Eintreibung von Logenbeiträgen u. a. m. Immerhin haben wir einen Einblick über die Ausbreitung der Freimaurerei des ersten Jahrhunderts, wenn wir die Ziffern der Logen heranziehen, die im Jahre 1814 in die Vereinigte Großloge eintraten. Von der durch diese Vereinigung beseitigten Spaltung soll gleich weiter unten die Rede sein. Die "Moderns" traten in die Vereinigung ein mit 81 Logen in London und 277 im Lande. Die "Antients" mit 59 Logen in London und 127 im Lande. Die Logen im Auslande waren bei den "Moderns" mit 207 eingesetzt, hiervon mußten aber 1814 zahlreiche gestrichen werden, namentlich solche, die mittlerweile zu auswärtigen Großlogen abgewandert waren. Jedenfalls sprechen diese Zahlen für die große Ausbreitung der Freimaurerei innerhalb eines Jahrhunderts.

Aber die Entwicklung der Freimaurerei hat auch in England ihre schwierigen Jahre. Die zeitgenössischen Engländer hören es nicht gern, wenn man diese Periode als das Schisma bezeichnet. Trotzdem ist diese Bezeichnung in ihre eigene geschichtliche Terminologie eingegangen.

Hinweise

1 Bild → "Die Nacht" William Hogarth auf wikipedia.org
2 Schrift → "Masonry dissected" Samuel Prichard auf phoenixmasonry.org
Installation Prince of Wales

Die Ancient Masons

(Antients). Neben der 1717 gegründeten Großloge von England entwickelte sich bald eine andere Freimaurerei, die sich selbst als Altmaurer (Antients) bezeichnete, im Gegensatze zur Großloge von London, die von ihr als die der Neumaurer (Moderns) etwas absprechend bezeichnet wurde. Die Ursache des Gegensatzes zwischen Ancients und Moderns werden von den Autoren verschieden erklärt: Nach Sir Alfred Robbins ("English speaking Freemasonry", London 1930) waren es unzufriedene und wegen Zwistigkeiten aus der Großloge ausgetretene Freimaurer, die sich in Einzellogen versammelten, ohne vorläufig eine Großloge einzusetzen. Dem steht die Ansicht von Sadler gegenüber, der in seinen "Facts and Fictions" die Meinung vertritt, die Stifter der sogenanaten Altmaurerlogen seien irische Freimaurer gewesen, die sich 1717 bei Gründung der Großloge nicht anschlossen, sondern selbständige Logen bildeten, die untereinander eine Art Kartell eingingen das erst späterhin zur Bildung einer Großloge führte. Während Gould und Bywater in der Gründung einen Abfall, ein Schisma sehen, wird von anderen, wie Chetwode Crawley, die vollkommen unabhängige Entstehung aus irischen Wurzeln nicht ohne Berechtigung verfochten. Die Wahrheit scheint in der Mitte zu liegen. Sicher ist, daß sich bei Gründung der Londoner Großloge 1717 mehrere bestehende Logen fernhielten und ihr Eigenleben weiterführten.

Ebenso sicher ist aber auch, daß mißvergnügte oder aus anderen Gründen aus der Großloge ausgesehiedene Brr. den Weg zu den Antients suchten. Ist doch die wertvollste Persönlichkeit der Altmaurer, Laurence Dermott (s. d.), der übrigens die Bezeichnung "Antients" und "Moderns" prägte und durchsetzte, aus einer "modernen" Loge in eine Altloge abgewandert! Ebenso sicher ist, daß manche Freimaurer mit den Neuerungen, die insbesondere von Anderson und Desaguliers eingeführt wurden, nicht einverstanden waren, daß sie auf Einhaltung der "Alten" Gebräuche drängten und, da sie in der Minoritat blieben, schließlich austraten. Auch Standesgegensätze scheinen eine gewisse Rolle gespielt zu haben, da die Logen der Antients sehr viele Mitglieder aus dem Kleinbürgerstände aufwiesen, die sich mit dem Überhandnehmen des Adels in den Logen der Moderns anfangs nicht abfinden konnten. Gould (IV 454) ist der Meinung, der ganze Unterschied zwischen den beiden Körperschaften habe nur darin bestanden, daß die eine Gruppe eine höhere maurerinsche Obrigkeit nicht anerkennen wollte. Das mag für den Anfang stimmen. Aber aus Dermotts "Ahiman Rezon" ist denn doch deutlich zu erkennen, daß auch ritualistische Unterschiede, nicht nur systematische, den Gegensatz verschärften. In dem Buche "Multa paucis" wird die nachlässige Führung durch den Großmeister Lord Byron (s. d.) als Grund angegeben. Allerdings zu unrecht, wie eine Prüfung der Ereignisse ergibt.

Vor 1751 sind sechs derartige Logen der Antients nachweisbar, die untereinander eine Verbindung mit einem gemeinsamen Ausschuß, dem Grand Committee, eingingen. Soweit Logengründungen in Betracht kamen wurden die Logenpatente von dazu bevollmächtigten Logenmeistern ausgestellt. Ihren großen Impuls bekam die Bewegung der Antients durch die Persönlichkeit des nach London zugezogenen Irlanders Laurence Dermott, eine jener seltenen Persönlichkeiten, die neben ihrem Berufe ihre gesamte Zeit der Freimaurerei widmen. Dermotts Auftreten hat wohl die Gründung einer Großloge beschleunigt. Das Grand Committee faßte 1751 in der "Taverne zum Türkenkopf" in der Griechischen Straße (Greek Street) den Beschluß sich als Großloge zu konstituieren, deren Großmeisterposten vorläufig vakant blieb, während der erst seit 5 Tagen den Antients angehörende Dermott zum Großschriftführer gewählt wurde. Die Bemühungen, einen adligen Großmeister zu gewinnen, schlugen zunächst offenbar fehl, denn in der Großversammlung vom 5. Dezember 1753 einigte man sich auf einen sonst unbekannten Mr. Robert Turner, der auf sechs Monate zum Großmeister gewählt und von einem ebenso unbekannten Hon. Edward Vaughan abgelöst wurde. Am 27. Dezember 1756 wurde endlich zur Befriedigung der Logen ein adliger Großmeister in der Person des Earl of Blessington gefunden der vier Jahre lang Großmeister blieb.

Die weiteren Großmeister waren: der Graf von Kelly (1760-1766), Thomas Blathew (1766-1770), John, dritter Herzog von Atholl (1771-1774), John, vierter Herzog von Atholl (1775-1781), 1782 leitete der Abgeordnete Willam Diekey provisorisch die Großloge, 1783-1791 der Graf von Antrim, 1792-1813 wieder der vierte Herzog von Atholl, der am 8. November zugunsten des Herzogs von Kent (Vater der Königin Victoria) zurücktrat. Das Wachstum der Großloge der Antients (bald auch "Atholl - Großloge" genannt), die sich als Grand Lodge of England According to the Old Institutions bezeichnete, war ein beträchtliches. Neben zahlreichen Logen in England pflanzte sie Militär- und Feldlogen sowie Logen in Amerika und auf dem europäischen Kontinent. Selbst wenn man annimmt, daß manche Logennummer nur auf dem Papier stand, ist die Entwicklung eine rapide zu nennen: Bis 1766 waren bereits 145 Logen, bis 1774 192, bis 1813, dem Jahre der Verschmelzung mit den Moderns, schon 359 Logen im Register eingetragen. Das Grundgesetz dieser Großloge schuf Laurence Dermott in seinem berühmten und lange Zeit mißverstanden Buche "Ahim Rezon, or Help to a Brother, shewing the Uxcellency of Secrecy and the First Motive of The Instruction of Free-Masonry"3, gedruckt 1756, gewidmet dem Earl of Blessington (s. d.). Das Buch, das in zahlreichen Auflagen erschien, ist wegen der besonders in den späteren Auflagen gehäuften Ausfalle gegen die Moderns als eine Art Schmähschrift gegen die Großloge von 1717 gedeutet worden. Davon kann jedoch keine Rede sein. Der Ahiman Rezon ist die Constitution der Antients, ebenso wie Andersons Buch die der Moderns.

Hinweise

3 Buch → "Ahiman Rezon" Laurence Dermott

Die Großloge von York

Noch eine dritte Gruppe trat eine Zeitlang selbstverdig auf. In York, der Hauptstadt der Grafschaft Yorkshire, bestand gleichfalls eine Loge, die im Laufe der Zeit den Charakter der Werkogen verloren hatte und ebenso wie die Logen in London mit Nichtzünftlern stark durchsetzt war. Die Vorgeschichte der Yorker Freimaurerei ist ebenfalls sehr verdunkelt. Ihre aktenmäßigen Spuren sind bis etwa 1705 zu verfolgen. Der Vorsitzende führte den Titel Präsident, die Großloge selbst wird "Honourable Society of Free Masons", 1725 dann aber auch "Society of free and accapted masons" genannt, schließlich proklamierten sich die Yorker als "Großloge von All-England", wobei sie auf ihre "Tradition" als "älteste Bauhütte" pochten, indem sie deren Gründung vor das Jahr 1000 zurückverlegten. 1726 erklärte der Zweite Großaufseher Francis Drake (s.d.), man wolle dem Londoner Großmeister seinen Rang nicht streitig machen, aber dem Yorker Großmeister gebühre das Prädikat "Totius Angliae".

Auf feststehende Bezeichnungen darf in diesen Entwicklungsjahren nicht zuviel Wert gelegt werden. Die Begriffe selbst standen noch nicht fest. Die Versammlungen werden Private Lodges (s. d.) genannt, dann ist wieder von einer General Lodge die Rede. Erst später ist scheinbar die Londoner Terminologie für Ämter, Versammlungen usw. übernommen worden. Die Großloge scheint gegen 1744 eingeschlafen zu sein, wenigstens fehlen von 1744 bis 1761 alle handschriftlichen Aufzeichnungen über eine Logentätigkeit. 1761 erweckten sechs "überlebende" Brüder die Großloge neuerdings, die von da an auf Grund der "Old Rules of the Grand Lodge of York" eine rege Tätigkeit entfaltete, wenigstens hat sie von 1762-1790 elf neue Logen eingesetzt. Auch eine Londoner Loge, Nr. 259, in der "Taverne zur Punschbowle" ging zu ihr über. Eine gewisse Bedeutung erlangte die Großloge von All-England um um 1779, als infolge einer Rebellion in der Lodge of Antiquity, der alten "Gans- und Bratrost"-Loge, sich ein Teil derselben unter Führung von William Preston (s. d.) abspaltete und von der "Großloge von All-England" ein Patent für eine neue Großloge erbat, das sie unter den Namen

Prince Arthur, Duke of Connaught and Strathearn (1850-1942) war Mitglied des englischen Königshauses und diente als Gouverneur in Canada.

Grand Lodge of England, South of the Trent

auch erhielt. Diese neue Großloge soll vier neue Logen gegründet haben, die Geschichte weiß allerdings nur von zweien. Diese vierte Großloge ging jedoch bald wieder ein, da es im Jahre 1789 zur Versöhnung der Gruppe Prestons mit der Großloge von London kam. Die Spuren der Großloge von York sind auch nicht viel länger zu verfolgen

United Grand Lodge of England

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